icky thumb(stick)
geschrieben am 14.09.2011
Was kurze Zeit als obskures Gerücht umhergeisterte wurde nun von Nintendo im Vorfeld der Tokyo Game Show bestätigt: zusammen mit Monster Hunter Tri G wird eine an eine Butterbrotsdose erinnernde Zusatzhardware namens 3DS Circle Pad erscheinen, die den 3DS um einen Analogstick und eine Schultertaste erweitert.
Bedenklicher als die Adapterwanne in Tupperware-Optik selber ist aber die Tatsache, dass nicht nur Capcom, sondern auch andere Firmen wie Konami und Bandai/Namco angekündigt haben, dass die kommende Titel Resident Evil: Revelations, Metal Gear Solid Snake Eater 3D, Ace Combat 3D Cross Rumble und andere das Add-On unterstützen werden.
Denn was sonst als kuriose Spezialhardware im Stil des Guitar Hero Griffbretts oder des Arkanoid Drehknöpfchens für den DS angesehen werden könnte, mutiert auf einmal zur von mehreren Entwicklern akzeptierten Erweiterung, mit der sich bekannte Kontrollschemen auch auf Nintendos jüngsten Handheld übertragen lassen. Zwar findet sich kein von Big N selbst entwickelter Titel in der Liste, was dafür spricht, dass die japanische Firma prinzipiell das bestehende Steuerungskonzept als ausreichend erachtet, andererseits entstammen die Spiele großen Marken wichtiger Drittherstellen, deren Unterstützung man sicher nicht missen möchte. Dieses wiederum kann eigentlich nur dazu führen, dass Nintendo die neuen Tasten in einer Hardwarerevision des 3DS gleich mit verbaut, und das möglichst bald.
Denn ein künftiger überarbeiteter 3DS wird wegen der Passform kaum in den Adapter passen, zudem könnte so der Verbreitungsgrad des Zusatzsticks erheblich erhöht und zum Quasi-Standard gemacht werden.
Klar dürfte nämlich sein, dass Erweiterungen für Spielekonsolen wie Segas 32X gerne floppen und dass optional unterstützte Zusatzhardware nur von den wenigsten Spielen (sinnvoll) genutzt wird: So beschränkt sich der Einsatz von Eyetoy-, DSi oder Kinnectkamera in Titeln, die nicht eigens für diese Add-Ons entwickelt wurden, in der Regel auf sinnlose Spielereien (Uhh, ich kann mein Foto in ein Minispiel importieren, und in Mass Effekt 3 Dialoge auswählen, indem ich Sie vorlese). Auch Move für die PS3 kommt in der Regeln nicht an die Präzision eines klassischen Controllers heran. Anders herum lassen sich Spielkonzepte, die auf zwei Analogsticks ausgelegt sind, nur bedingt an eine alternative Steuerung anpassen, der diese Eingabemöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen. In der Tat steuerte sich beispielsweise Metal Gear Solid Snake Eater 3D auf der Gamescom 2011 ziemlich „anstrengend“. Somit es es schwer vorstellbar, dass langfristig Spiele mit 3DS Circle Pad Unterstützung / Voraussetzung und solche, die sich mit der klassischen Ausstattung begnügen, friedlich koexistieren werden.
Mit dem Dual-Stick Controller der ersten Playstation existiert übrigens ein Beispiele dafür, wie die Steuerungsmöglichkeiten einer Konsole erfolgreich erweitert wurden, während die Liste der Spiele, die die erhöhte Präzision einer Wii-Motion Plus nutzen, eher kurz ist.




Auf dem Mega Drive Modul finden sich neben einem hervorragend spielbaren 2D Jump’n’Run (das zugegebenermaßen Bestandteil von Sonic 3 hätte sein sollen, es aus Termingründen aber nicht geschafft hat) auch Anschlusskontakte auf der Oberseite, auf die ein weiteres Modul aufgesteckt werden kann. Mittels dieser Lock-on genannten Technologie kann es mit den Vorgängern Sonic 2 oder Sonic 3 verbunden werden, um deren Daten auszulesen und die Spiele um neue Features zu erweitern. So wird beispielsweise Knuckles als spielbarer Charakter in die älteren Sonictitel eingeschleust, was sich dank seiner Fähigkeit, an Wänden hinaufzuklettern und nach Sprüngen zu gleiten, auch auf das Gamesplay auswirkt.
Nach dem Zahlen der 8 Euro Eintritt macht sich zunächst einmal Enttäuschung breit: Die Ausstellungs-fläche ist sehr überschaubar und für ein Museum, dass sich einem interaktivem Medium widmet, gibt es weniger Spielbares als erwartet.
Sehr gelungen ist überdies die generelle Gestaltung des Museums. Konsequent wurde auf pixelig-quadratisches Design in den Farben Weiß und Neongrün gesetzt, und die Video-stationen werden (fast) stilecht mit einem Competition Pro bzw. dessen USB Nachbau gesteuert. Besonders cool ist die Wall of Games, auf der Meilensteine der Computer- und Videospielgeschichte verewigt sind und bei der die Mechanik eines Point’n’Klick Adventures in die real Welt übertragen wurde: Mittels eines Joysticks wird ein beamerprojeziertes Fadenkreuz über eine große Wand mit Spielenamen beziehungsweise Verpackungen gesteuert, während Monitore Informationen und Bildmaterial zu dem Game anzeigen, dass sich unter dem Cursor befindet.
Ergänzt wird die Ausstellung durch die Wall of Hardware, an der sich Videospielkonsolen aus mehr als drei Jahrzehnten finden. Und neben einigen historischen, künstlerischen und kuriosen Exponaten wie einem (nicht spielbaren) Pong Automaten, der Painstation oder einem gigantischen Atari VCS-Joystick gibt es im Rahmen der Themenbehandlung natürlich auch einiges anzuspielen wie Wipeout 3D, Wii Sports, Monkey Island oder Zork.
Insbesondere für Beat’em Up Fans scheint sich der 3DS zu lohnen. Das hervorragende Street Fighter IV 3D Edition gehörte zu den besten Starttiteln, und während man noch auf das angekündigte BlazBlue für die 3D Konsole wartet erschien letzten Freitag Dead or Alive: Dimensions – zumindest in Deutschland. Denn Tecmos Prügelspielserie ist seit jeher nicht nur für seine unbestrittenen spielerischen Qualitäten bekannt, sondern auch für die üppigen Proportionen der weiblichen Mitglieder des Kämpfer-Lineup und Kostüme, die diese entsprechend in Szene setzen. In Schweden entbrannte darüber in Kombination mit der vermeintlichen Minderjährigkeit einiger Charaktere eine heftige Diskussion. Nintendo, die beim 3DS Dead or Alive erstmals als Publisher der Serie auftreten, nahm diese anscheinend zum Anlass, auf eine dortige Veröffentlichung zu verzichten.
Als Fan von popkulturellen Referenzen, abgefahrenen Alliterationen und sonstigen Wortspielereien freue ich mich natürlich immer, wenn es auch ein Videospielname schafft, mir ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern.

