Beiträge aus Kategorie 'dies, das und dumme Ideen'

Es mag am Dämmerzustand zwischen „eben-noch-tief-schlafend“ und „wach-genug-um-den-Rest-des-Tages-zu-bewerkstelligen“ liegen, aber für mich ist die morgendliche Dusche oft ein Quell an merkwürdigen Gedankengängen. So entstand beim täglichen Reinigungsritual nicht nur in Anbetracht der Energiekriese die Idee zur Mitdusch-Zentrale für Singles (Alleine Duschen wäre doch Warm-Wasserverschwendung) und die Frage, ob sich der Vorname Günther von der grichischen Vorsilbe gyn ableitet und damit das männliche Pendent zu Andrea ist, sondern ich musste auch ohne konkreten Anlass an den Film The Box denken. Nun ist der Streifen aus dem Jahr 2009 mit Cameron Diaz nicht sonderlich gut oder anderweitig bemerkenswert, übt sich aber zumindest in der Auseinandersetzung mit einem Gedankenexperiment. Für diejenigen, denen die Handlung bisher nicht bekannt ist, sei hier die Grundprämisse kurz erklärt: Die Eheleute Lewis erhalten von einem myseriösen Fremden die namensgebende Kiste, die mit einem roten Knopf ausgestattet ist. Wird dieser Knopf betätigt, erhält das Paar einen Million Dollar, jedoch stirbt zeitgleich eine den beiden unbekannte Person. Wo der Film übernatürliche Erlärungen liefert bzw. die fragwürdige Funktionsweise Bestandteil der moralischen Überlegung ist, wäre ein ähnliches Experiment in einem Videospiele eigentlich recht einfach umzusetzen. Jeglicher Titel mit dauerhaft serverseitig gespeicherten Charakteren wie z.B. World of Warcraft würde sich dazu anbieten. Ein Spieler oder Spielerin erhält die Todeskiste, die bei Nutzung der eigenen Spielfigur massig Vorteile in Form von Ausrüstung, Erfahrungspunkte oder In-Game-Währung verpasst, eine andere aber dauerhaft löscht. Daraus könnten sich interessante Fragen wie „würde man an so einem Spiel überhaupt teilnehmen, wenn das stete Damoklesschwert der Löschung über einem schwebt“ ergeben, und auch Variationen wie „es wären nur „böse“ Charaktere mit schlechten Karma-Punkten betroffen“ (wobei natürlich die Benutzung der Box die schändlichste aller Taten darstellen würde)) wären umsetzbar.

Moralische Konsequenzen des eigenen Handels innerhalb der Spielwelt sind dabei schon seit langer Zeit Bestandteil interaktiver Erzählstrukturen, man denke nur an die Atombomben-Entscheidung in Fallout 3. Doch auch der Gedanke, Mechaniken zu schaffen, die über die Grenzen des eigentlichen Spielnarrativs hinausreichen, ist nicht neu. So soll Hideo Kojima bereits zu Playstation2 Zeiten überlegt haben, ob man nicht ein Spiel erschaffen könne, dessen Disk sich nach einmaligen Spielen selbst zerstört. Ironischerweise sind derartige Szenarien bei modernen Titeln dank Online-Zwang realer als jemals zuvor, wenn auch sicherlich nicht im vorhinein als erzählerisches Feature geplant. Wie die Verbindung von Spielerinnen uns Spielern (zumindest theoretisch) für ein soziales Experiment genutzt werden kann, zeigte sich dann Jahre später in Metal Gear Solid V: the phantom pain: Im Multiplayermodus können eigene Basen mit Atomwaffen bestückt werden, doch nur, wenn sich die Gemeinschaft je Plattform auf eine konsequente Abrüstung einigt, wird eine spezielle Cutscene freigeschaltet. Leider wurde diese Belohnung mehr durch Dataminig denn durch eine atomwaffenfreie (Spiel)welt öffentlich, zumal unlängst entdeckt wurde, dass ein legitimes Erreichen dieses Ziel durch technische Unstimmigkeiten praktisch unmöglich ist.

Nicht frei von Kontroversen war auch das von Profi-Plaudertasche Peter Molyneux beziehungsweise seiner Firma 22Cans initiierte soziale Experiment Curiosity – What’s Inside the Cube? Gemeinsame Aufgabe war es, Schicht für Schicht eines aus 69 Milliarden kleineren Würfeln zusammengesetzten Quaders abzubauen, um ein „lebensveränderndes Ereignis“ im Kern zu enthüllen. Der Knackpunkt dabei: nur die Person, die den letzten Baustein entfernte, kam in dessen Genuss. Während eventuelle Erkenntnisse des Experiments selber wie erstaunliche Userzahlen oder das kooperative Verhalten der Beteiligten relativ sang- und klanglos untergingen, sogte vielmehr die Handhabung des Preises für negative Schlagzeilen. Denn der Brite Bryan Henderson, der des Würfels Kern freiglegte, sollte als „Gott aller Götter“ sowohl gestalterisch als auch finanziell an der damals in Entwicklung befindlichen Göttersimulation Godus beteiligt werden. Da das Spiel jedoch nie über den early access Status hinaus kam und finanziell dementsprechend floppte, ging auch Henderson leer aus.

Als versöhnlicher Ausklang und quasi positiver Spiegelzwilling des eingangs erwähnten Wie-weit-würde-ich-für-den-persönlichen-Nutzen-gehen Dilemmas sei noch die finale Sequenz in Nier Automata aus dem Jahr 2017 erwähnt. Denn statt für den eigenen Vorteil den Schaden anderer in Kauf zu nehmen, wird man vor die Wahl gestellt, selbstlos das eigene Leben (in Form des Speicherstands) zu opfern, um anderen in einer ansonsten praktisch unüberwindbaren Situation zur Seite zu stehen.

Super Kigurumi Zone

Retrogaming muss nicht zwingend bedeuten, sich nur mit alten Videospielen auseinanderzusetzen. Denn neben den Klassikern für C64, NES, Megadrive und Co boomt vor allem in den letzten Jahren eine aktive Homebrew-Szene, die auch neue Titel für die alte Hardware veröffentlicht. Einen nicht unerheblichen Anteil daran dürften auch Entwicklungs-Programme wie GB Studio haben, mit denen sich zum Beispiel relativ einfach Spiele für den original GAME BOY erstellen lassen. In diesem Sinne habe auch ich mich mit „Super Kigurumi Zone“ an einem Gameboyspiel versucht, das Gehirntraining in Stile eines Dr. Kawashimas Gehirnjogging mit Erinnerungen an Schulfahrten und Scooby-Doo-Cartoons verbindet. Auf akustische oder musikalisch Untermalung wurde übrigens bewusst verzichtet, um nicht die Konzentration zu stören 😉

Genau so, wie die 80er nicht nur mit schrecklicher Mode und peinlichen Frisuren, sondern auch mit technischen Neuerungen wie dem Walkman oder den ersten Heimcomputern in Verbindung gebracht werden, könnten die Teen-Jahre des neuen Jahrtausends als Konsolidierungsphase der Unterhaltungs-Abodienste betrachtet werden. Jenseits von dubiosen Diensten wie dem Jamba Sparabo ermöglichen Anbieter wie Spotify, Audible oder Netflix auch dank verbesserter Streamingmöglichkeiten, für einen monatliche Gebühr quasi unbegrenzten Zugriff auf ein umfangreiches Angebot an Musik, Hörbüchern, Filmen oder Serien. So kann es gut sein, dass man heutzutage aufwächst ohne jemals Geld für eine Musik-CD ausgegeben zu haben oder das Konzept kennengelernt zu haben, Filme in physikalischer Form zu kaufen oder auszuleihen. Seit einiger Zeit finden sich beispielsweise mit Apple Arcade auch für Videospiele entsprechende Angebote, von denen vor allem Microsofts Game Pass heraussticht. Mit Lockangeboten wie 3 Monate Game Pass Ultimate für einen Euro erhält man Zugriff auf über hundert XBox und PC-Spiele, und neben hauseigenen Produkte wie Halo, Gears of War oder Forza können auch andere Spiel gleich am Erscheinungsdatum quasi zum Festpreis gezockt werden. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass Services wie Cloud Gaming noch weiter ausgebaut werden und sich Spielen zuindest im Microsoft-Umfeld mehr und mehr zu einer plattform-agnostischen Freizeitgestaltung entwickeln wird. Brechen also paradiesische Zeiten für die Zockergemeinde an? Als Pfennigfuchser und Dauerpessimist sehe ich die Zukunft leider nicht ausschließlich so rosig. Dabei stehen weder meine Befürchtungen, zum gläsernen Gamer zu werden, noch das intransparente Entlohnungsmodell der Entwickler im Vordergrund: Microsoft weiß auch so schon mehr über meine Spielegewohnheiten als mir lieb ist, und obwohl die genauen Konditionen in der Regel noch immer recht geheim gehalten werden scheinen viele Studios durchaus zufrieden mit Veröffentlichungen unter Game Pass zu sein und dieses Modell sogar zu begrüßen. Vielmehr hat sich meine persönliche Beziehung zu den Spielen hinsichtlich Engagement und Wertschätzung massiv verändert. Denn anders als Filme oder Serien mit einer festen Laufzeit, die man sich in der Regel einmal und nie wieder ansieht, kann die Dauer, die man mit einem Spiel verbringt, durchaus flexibel ausfallen. Doch statt mir die Zeit zu nehmen und auch einen Titel mit Ecken und Kanten im eigenen Tempo zu erkunden, verleitet mich das üppige Angebot der Gaming-Flat dazu, mich nur oberflächlich mit Highlights auseinanderzusetzen und so zeitintensive Nebenmisionen, Minigames oder Spielmodi links liegen zu lassen oder gleich Spiele, die nicht sofort fesseln, durch einen spektakuläreren Vertreter auszutauschen. Versuche ich bei einem gekauften Spiel, quasi so viel wie möglich für mein Geld aus dem Titel herauszuholen und mich somit mit praktische allen Aspekten zu befassen, locken mich selbst Achievement kaum, in einer offenen Welt verbleibende Collectables einzusammeln, ein optionales Rätsel für ein Easteregg zu lösen oder eine abgeschlossene Kampagne noch einmal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad neu anzufangen, wenn ich stattdessen ebenso gut gleich ein komplett anderes Abenteuer bestreiten könnte. Fast fühlt man sich wie an einem All-You-Can-Eat-Buffet, an dem man eigentlich schon etwas leckeres gefunden hat, es aber gleichzeitig noch so viel anderes zu probieren gibt, für das man praktisch schon gezahlt hat. Als Pessimist könnte man gar befürchten, dass sich dieses Verhalten nachhaltig auf Umfang und Design von Unterhaltungsoftware auswirken wird und manche Mechaniken und Ideen komplett verschwinden werden, sollte das Abomodell langfristig andere Vertriebsarten verdrängen.
Doch nicht nur die Wertschätzung der Titel, die über den Game Pass-Service verfügbar sind, sinkt, sondern auch die derer, die eben nicht durch die Spieleflat abgedeckt werden. Bei einem begrenzten Budget stellt sich zwangsläufig die Frage, warum man 10, 40 oder 80 Euro für eine einzelne „unabhängige“ Neuerscheinung ausgeben soll, wenn man für oftmals gar weniger Geld Zugriff auf einen stetig wachsenden Katalog von neuen und älteren Spielen hat, die in einem ähnlichen Genre beheimatet sind. Was macht das neue Rennspiel anders, dass nicht auch durch das aktuelle Forza abgedeckt wird, und lohnt sich die Anschaffung des neuen Actionshooters wirklich, wenn man noch nicht einmal die letzten Gears of War Teile ausgetestet hat? Auch hier könnte man befürchten, dass sich eine zu starke Dominanz des Microsoftdienstes negativ auf die Marktsituation auswirken könnte.
Als Sammler und Retrofreund beunruhigt mich zudem das stete Damoklesschwert der Verfügbarkeit. Spiele außerhalb des zugegebenermaßen immer weiter wachsenden Kaders an microsoft-eigenen Unternehmen sind oftmals nur zeitlich begrenzt via Game Pass verfügbar, und so ist es mir bereits mehrfach passiert, dass mir ein Titel quasi unter dem Hintern weggezogen wurde. Dabei müssen es noch nicht einmal diese geplanten zeitlichen Begrenzungungen sein, die dafür sorgen, dass digitale Inhalte verschwinden. Vor allem auslaufende Film-, Musik- oder sonstigen Lizenzen können der dauerhaften Kuration digitaler Medien entgegenwirken. So schwierig es ist, die Spiele heutzutage zum Laufen zu bewegen, halte ich meine physikalischen Exemplare von Outrun2 beziehungsweise Outrun Coast to Coast doch in allen Ehren, kann ich mir doch sicher sein, dass durch die Beendigung der Zusammenarbeit zwischen SEGA und Ferrari die Chancen, einen Outrun-Titel auch nur in entfernter Zukunft auf irgendeiner Service-Plattform zu finden, gleich null sind. Und nun überlege man sich ein Szenario, in dem Game Pass nicht nur der dominante, sondern der einzige Weg ist, auf neu entwickelte Titel zuzugreifen.
Zugegebenermaßen ist das Ganze natürlich Meckern auf hohem Niveau, und objektiv betrachtet gibt es auch vieles, das für Game Pass spricht. Vor allem für kürzere, storygetriebene Spiele wie the Gardens Between oder Hellblade: Senua’s Sacrifice scheint der Dienst ideal zu sein, nicht zuletzt, weil die Titel in Struktur und Umfang einem Film oder einer Miniserie nicht ganz unähnlich sind und somit eher der eingangs erwähnte Netfix-Vergleich greift. Doch wie bei so vielen Dingen im Leben schätze ich auch hier Vielfalt und Auswahl. Als zusätzliche Option, günstig und unkompliziert auf eine Vielzahl an Spielen zuzugreifen, begrüße ich Game Pass, solange mir auch weiterhin alternative Möglichkeiten zum Zocken offenstehen.

Pixelween2021: The Knifening

Wie jedes Jahr stehen zum „Spooktober“ diverse gruselige Pixelchallanges an. Zum Auftakte habe ich mich an der ersten Pixelween2021 Herausforderung von Pixeljoint versucht, die ein Horrorfilmplakat in 80×120 Pixel mit einer vorgegebenen, vier Einträge umfassenden Farbpalette fordert. Deutscher Titel: Die Messerung.

it’s a mirage

disney's aladdin mirage

Mirage aus der Disney TV-Serie Aladdin in 64×64 Pixel, 8 Farben

Nach Prominenz in der Unterhaltungsbranche gefragt, denken vermutlich viele vorrangig an Schauspielerinnen und Schauspielern sowie Musikschaffenden. Berühmtheiten aus der Spiele-Industrie, deren Namen auch außerhalb der jeweiligen Gaming-Community bekannt sind, dürften sich dagegen auf wenige, „schillernde“ Persönlichkeiten wie Peter Molyneux, Hideo Kojima oder unlängst Ikumi Nakamura beschränken. Zumindest in den Anfangszeiten der elektronischen Videospielentwicklung war dies auch durchaus erwünscht: Atari verzichtete bewusst auf Credits und somit die namentliche Erwähnung der an der Entwicklung beteiligten Personen, aus Sorge, die Talente könnten von Konkurrenzunternehmen abgeworben werden. Das führte mehr oder weniger direkt zum ersten dokumentierten Easteregg im VCS 2600 Modul Adventure, in dem der Entwickler eben doch den Schriftzug „created by Warren Robinett“ in einem geheimen Raum im Spiel versteckte, der nur nach Durchführung einiger abstruser Aktionen erreichbar war. Zum Glück gehören derartige Praktiken der Publisher inzwischen der Vergangenheit an und den Männern und Frauen, die an der Erschaffung der Spiele beteiligt sind, wird in teils endlos wirkenden Abspännen Zoll getragen.
Einige besonders selbstbewusste Kreative gehen sogar noch einen Schritt weiter und bringen Ihren eigenen Namen gleich im Titel unter. Hier ist eine Liste meiner Favoriten der Entwickler, die Spiele nach sich selbst benannten:

Geoff Crammond (Geoff Crammond’s Grand Prix 4)
das englische Magazin Amiga Power erlaubte sich lange Zeit den Scherz, seinen Landsmann als Sir Geoffrey zu bezeichnen, was einem entsprechend benannten Spieletitel hier sicherlich den Spitzenplatz eingeräumt hätte. Doch auch ohne Adelstitel und offiziell nur in Europa Titel des vierten Teils der Rennserie ist Geoff Crammond’s Grand Prix 4 schon mal ein guter Auftakt für diese Liste.

Sid Meier (Sid Meier’s Civilization, Sid Meier’s Pirates!, …)
Seit Sid Meier’s Railroad Tycoon aus dem Jahre 1990 trägt praktisch jedes der über 20 seither erschienen Spiele, an denen der kanadische Entwickler beteiligt war, seinen Namen. Er hat sich damit quasi selber zur Marke gemacht, die für komplexe Simulation eines Themengebietes steht, sei es der Aufbau einer Eisenbahngesellschaft, das Management eines Golfplatzes oder die Gestaltung des Schicksals einer gesamten Zivilisation. Mit derartiger Vorhersagbarkeit verliert dieses Benennungsmuster aber auch einiges an Charme.

American McGee (American McGee’s Alice, American McGee presents: Scrapland)
Mag man zunächst an einen exzentrischen Künstlernamen denken, handelt es sich genau wie bei Dua Lipa oder Prince auch bei American McGee um den tatsächlichen Namen des Game-Entwicklers, der sich seine Sporen als Leveldesigner bei id-Software verdient hat. Mit American McGee’s Alice schien sich der natürlich gebürtige Texaner um die Jahrtausendwende ein aneckendes, den braven Mainstream durchbrechendes Image geben zu wollen, dass in gleich mehreren Aspekten Vergleiche mit Comickünstler Todd McFarlane (Spawn) weckte. Der Erfolg dieser Maßnahme war jedoch eher mäßig, woran auch bislang zwei weitere „American McGee presents“-Titel nichts ändern konnten.

Archer MacLean (Archer MacLean’s Pool, Archer Maclean Presents Pool Paradise, Archer MacLean’s Mercury)
Fast tut es mir leid, dass Archer MacLeans Name selbst eingefleischten Gaming-Enthusiasten kaum geläufig ist, hat er doch praktisch im Alleingang mit IK+ eines meiner absoluten Lieblingsspiele entwickelt, mir die Faszination von Snooker eröffnet und mit Archer dazu noch einen der coolsten Vornamen aller Zeiten. Ein Teil der Verwirrung um Spiele mit seinem Namenszusatz dürfte dem Brieten aber auch selbst zuzuschreiben sein, denn der Quasivorgänger von Archer MacLean’s Pool trug mit Jimmy White’s ‚Whirlwind‘ Snooker noch den Namen eines berühmten Spielers dieser Billard-Variante im Titel, so dass nicht wenige der Annahme waren, dass es sich auch bei MacLean um einen lizenzierten Sportler denn um den Entwickler des Spiels handele, zumal erst 12 Jahre später mit Archer MacLean’s Mercury ein guter, aber wenig beachteter PSP Geschicklichkeitsknobler erschien, der den Namen Archer MacLean mit etwas anderem als Pool in Verbindung brachte.

David Crane (David Crane’s Amazing Tennis, David Crane’s A Boy and His Blob: Trouble on Blobolonia)
Geradezu bescheiden finden sich im fast 100 Spiele umfassenden Lebenslauf dieses Urgesteins, das unter anderem Pitfall entwickelt hat, nur wenige Titel, die um seinen Namen angereichert wurden. Mit David Crane’s Amazing Tennis ist aber eine nahezu perfekte Namensgebung gelungen, denn auf kürzestem Raum wurde nicht nur der Name des Designers untergebracht, sondern auch der Sachverhalt, dass die Sportart Tennis thematisiert wird und man zudem der Meinung ist, dass es sich um ein unglaublich gutes Spiel handelt 😉

dreaddlock holiday

8bit filmplakat: judge dredd

Free falling gaming: Zocken für umme

Als Gei Sparfuchs rechtfertige ich mein Leidenschaft für die Freizeitbeschäftigung Videospiele auch gerne damit, dass sie im Vergleich zu anderen Hobbys noch durchaus erschwinglich ist. Das Zocken am PC oder Konsole dürfte weniger kostenintensiv sein als Reisen in ferne Länder, das Herumbasteln an Sportautos oder das Sammeln von Farberge-Eiern, zumal viele dieser Tätigkeiten ein digitales Pendant haben. Doch vor allem wenn man stets am Puls der Zeit sein oder eine Sammlung aufbauen will, kann der Geldbeutel auch mal stärker belastet werden. Wenn es dagegen nur um das reine Spielvergnügen geht, gibt es einige völlig legale Wege, mit Gratisspielen der Zockleidenschaft nachzugehen. Vor allem am Computer hat das Konzept der kostenlosen Spiele eine lange Tradition. Schon zu Zeiten des Commodore64 und Amigas gab es vor allem eine aktive Hobbyszene, in der enthusiastische Entwicklerinnen und Entwickler unter dem Begriff PD beziehungsweise Public Domain kostenfreie Spiele veröffentlichten, die nicht primär darauf ausgelegt waren, mit ihnen möglichst viel Geld zu verdienen. Heutzutage ist der Marktplatz itch.io eine gute Anlaufstelle, um in diesem Sinne entwickelte Spiele zu finden. Neben kommerziellen Indie-Titeln bietet der Shop auch eine immense Anzahl von Games, die gratis sind beziehungsweise deren Bezahlung auf dem pay-what-you-want Prinzip beruhen oder „Trinkgeld“-basiert sind. Natürlich können diese zumeist von Einzelpersonen oder kleineren, unabhängigen Teams entwickelten Spiele nicht komplett mit AAA-Titeln großer Publisher mithalten, bieten dafür aber oftmals interessante Ideen, ungewöhnliche Spielmechaniken oder eine sehr persönliche Geschichte. Auch in den vielen auf itch.io abgehaltenen Gamejams finden sich viele kleinere Projekte mit diesen Tugenden. Außerdem wird nicht nur der PC bedient, denn neben Spiele-Apps für Android-Handys entdecken Retrofreunde auf der Seite gar das eine oder andere kostenlose Homebrew-ROM für NES oder den C64.
Während diese Programme für echte Zockertechnologie der 80er und 90er ausgelegt ist, handelt es sich bei Pico8 um eine virtuelle Fantasiekonsole beziehungsweise Entwicklungsplattform, die mit starken Limitationen wie geringer Auflösung und Farbeinschränkungen dem Look and Feel vergangener Tage nacheifert. Die Pseudo-Retro-Konsole ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, da sich auf der zugehörigen Webseite viele Pico8 Spiele in Form von Modulen finden, die sich direkt kostenlos und über den Webbrower spielen lassen. Hier triff man neben neu interpretierten Klassikern auch auf jede Menge innovativer Konzepte kreativer Köpfe, die die Beschränkungen sowohl spielerisch als auch technisch in beeindruckender Weise an ihre Grenzen treiben und mich seit Jahren auf eine erschwingliche Hardware hoffen lassen, mit der sich eine „reale“ Pico8-Konsole für das Wohnzimmer realisieren lässt.
Wem der Sinn dagegen etwas mehr nach – sagen wir mal klassischer – Unterhaltungssoftware steht, ohne dafür einen Cent ausgeben zu müssen, sollte den Blick auf den EpicGameStore richten. Stand ich dem noch relativ jungen Marktplatz und Steam-Konkurrenten zunächst recht skeptisch gegenüber, hat das recht aggressive Marketing schließlich auch bei mir seine Wirkung entfaltet und mich über die Feiertage 2020 zur Anmeldung verleitet. Denn dank einer entsprechenden Aktion standen täglich wechselnde Titel aus dem Sortiment des Shops zum Gratisdownload bereit. Zwar wird inzwischen das Füllhorn der ein bis zwei kostenfreien Spiele nicht mehr jeden Tag, sondern „lediglich“ wöchentlich ausgetauscht, doch auch so dürfte für ausreichend frei verfügbaren Spielspaß gesorgt sein, vor allem da sie eine weite Bandbreite abdecken und von Indie-Lieblingen wie Inside bis hin zu ehemaligen Vollpreistiteln eines Kalibers von Rage 2 oder Star Wars Battlefront II reichen. Natürlich haben diese Spiele in der Regel einige Zeit seit ihrer Erstveröffentlichung auf dem Buckel, aber dennoch ist ein Preis von 0 Euro ein Angebot, das man nur schwerlich ausschlagen kann.

Bezogen sich die bisherigen Tipps zumeist auf den PC, gibt es auch an Konsolen einige Wege zum kostenlosen Zocken, auch wenn die Möglichkeiten hier aufgrund der Geschlossenheit der Systeme weitaus geringer sind. Zwar wird bei alle drei großen Hersteller im Rahmen von Nintendo Online Service, Playstation Now, Games with Gold und Gamepass gerne von Gratis-Spielen gesprochen, doch wirklich kostenlos sind diese nicht, da ja für die entsprechenden Services Geld verlangt wird und die Titel eigentlich nur solange zur Verfügung stehen, wie der jeweilige Dienst abonniert ist. Zumindest die unter den XBox 360 Bereich von Games with Gold fallenden Spiele haben den Vorteil, dass sie in der Regel dauerhaft in den eigenen Besitz auch nach Beendigung des Abonnements übergehen.
Stattdessen sorgt mit Microsoft Rewards ein Kundenbindungsprogramm dafür, dass in letzter Zeit die XBox One meine bevorzugte Plattform ist. Mit täglichen Aktionen wie dem Suchen auf Bing (Songlisten von Bands lassen sich besonders schnell durchklicken 😉 ), der Beantwortung von durchaus interessanten Quizfragen oder dem Freischalten eines Achivements lassen sich Punkte sammeln, die neben Teilnahmen an Gewinnspielen oder Gutscheinen für andere Geschäfte auch in Microsoft-Guthaben umgewandelt werden können. Dieses hat nicht einen unschlagbar guten Wechselkurs (4650 Punkte entsprechen 5 EUR Guthaben), sondern kann vor allem in Kombination mit den wöchentlichen Angeboten dafür sorgen, dass die Spielebibliothek quasi durch ein in sich geschlossenes System ohne Geld von außen jeden Monat um einige Titel anwächst.
Außerdem kann es sinnvoll sein, die Aktivitäten der Plattforminhaber regelmäßig im Auge zu haben, denn gelegentlich zeigen sich diese großzügig und stellen wie aktuell Sony mit Knallern wie Ratchet and Clank und Horizon: Zero Dawn unverhofft Spiele gratis bereit. Dabei kann eine auf das jeweilige System spezialisierte Webseite hilfreich sein, um rechtzeitig von diesen Aktionen, die oft zeitlich begrenzt sind, Kenntnis zu nehmen. Im Falle der XBox One schaue ich daher regelmäßig auf xboxdynasty.de vorbei. Zwar bietet die Seite auch jede Menge clickbaitigen Nicht-Journalismus der Art „Gerüchten zufolge arbeitet das Studio, das hinter erfolgreichem Spiel X steckt, an einem neuen Projekt“ (no shit, sherlock), vermeldet aber gelegentlich auch legale Kuriositäten wie die Gratisversion von Ikaruga im koreanischen Marktplatz.
Außerdem finden sich, wenn auch in geringerer Stückzahl, kleine Spiele in den jeweiligen Stores, die zu Pomotionzwecken entwickelt wurden und daher ebenfalls gratis sind. Titel wie Doritos Crash Course oder FF15, a king’s tale sind rare Vertreter der Gattung Werbespiele, die mich wehmütig an den Geldbeutel schonende Unterhaltung a la Karamalz-Cup oder Vicor Loomes zurückdenken lassen.
Und schließlich gibt es mit „free to play“ noch die namentlich eigentlich naheliegendsten „freien“ Spiele, deren Ruf allerdings nicht gerade der beste ist. Denn anders als einfach nur „free“ enthält „free to Play“ in der Regel eine monetäre Komponente, die mitunter durch Microtransaktionen, Pay-to-win Elemente und Glücksspielmechaniken unangenehm auffällt. Doch auf der großen Free to Play Wiese tummeln sich auch diverse Exemplare, deren Geschäftsmodell man als fair einstufen kann und die schon in der kostenfreien Version einiges an Spielfreude bieten. Vor allem unter den großen Battle Royal Multiplayer-Shootern und MOBAs ist free-to-play quasi der de facto Standard geworden. Auch wenn ich persönlich mit reinen Mehrspieler-Titeln wie fortnite oder League of Legends wenig anfangen kann, gehören sie doch nicht nur zu den momentan populärsten Spielen überhaupt, sondern sind auch zumindest theoretisch komplett gratis spielbar und verlangen allenfalls für kosmetische Gegenstände oder Charaktere bare Münze. Dementsprechend ist es auch nur zu begrüßen, dass Microsoft unlängst die Notwendigkeit eines XBOX LIVE Gold Abos für das gemeinsame zocken über das Internet für viele Angebote aus dem F2P-Bereich fallen gelassen hat. Aber auch Vertreter weiterer Genres sind einen Blick wert. So überteuert beispielsweise Dead or Alive 6 noch immer Kostümpacks und einzelne Kämpferinnen und Kämpfer anbietet, so überraschend umfangreich ist die kostenlose Basisversion, die nicht nur 4 Charaktere enthält (leider nicht meine Favoritin Ayane), sondern auch einen umfangreichen Missionsmodus, der über verschiedene Aufgaben verteilt praktisch die Kontrolle über den gesamten Kader erlaubt.
Andere Free-to-play Titel fassen das Konzept eher wie eine erweiterte Demoversion auf: Flippersimulationen wie Zen Pinball oder Zaccaria Pinball spendieren zusammen mit dem Grundgerüst, zu dem sich sich Tische einzeln oder im Verbund zukaufen lassen, auch jeweils uneingeschränkt spielbare Automaten, mit denen sich naturgemäß bereits lange Spaß haben lässt. Bei episodisch veröffentlichten Spielen wie Life is strange, Resident Evil Revelations 2 oder Hitman 2 steht die erste Episode oftmals nach kurzer Zeit kostenlos zur Verfügung.

Wie man sieht, muss es also nicht immer die aktuellste Neuveröffentlichung zum Vollpreis sein. Mit einem kleinen Blick über den Tellerrand lässt sich nicht nur einiges an Geld sparen, sondern eventuell auch die eine oder andere Überraschung entdecken.

PETSCII Art: HitFunkRadio

HitFunkRadio

Nach praktisch mehreren Dekaden Abstinenz habe ich mein Faible für den PETSCII Zeichensatz des klassischen Commodore C64 wiederentdeckt und mich an einem von JetSetRadio inspirierten Schriftzug versucht.

8bit-ninja im Interview mit Julia Minamata, Entwicklerin von The Crimson Diamond

8bit-ninja: Könntest du dich bitte vorstellen?
Julia Minamata: Hallo! ich bin Julia Minamata. Ich bin eine Solo Indie-Spiel-Entwicklerin und freiberufliche Illustratorin, geboren und aufgewachsen in Toronto, Ontario Kanada. Ich habe einen Abschluss in Illustration und für etwa zehn Jahre auf dem Gebiet gearbeitet, bevor ich eine Kariere als Spiele-Entwicklerin angestrebt habe.

8bit-ninja: Momentan arbeitest du an The Crimson Diamond, einem klassischen Adventuregame mit Texteingabe. Was sind die Inspirationsquellen, sowohl bezüglich des Gameplays als auch der Geschichte?
Julia Minamata: Spielerisch ist The Crimson Diamond stark von alten Sierra On-Line EGA (16 Farben) Abenteuerspielen mit Texteingabe wie The Colonel’s Bequest, Quest for Glory 2 und King’s Quest 4 inspiriert. Die Steuerung per Texteingabe habe ich schon immer sehr gemocht. Es hat war für mich naheliegend, ein Spiel basierend auf einem Textparser zu entwickeln. Kings Quest 4 hat eine Tag- und eine Nachphase mit unterschiedlichen Ereignissen, die je nach Tageszeit zur Verfügung stehen. Mir gefiel diese zusätzliche Dimension, die es dem Spiel verlieh, wusste aber auch, dass sich meine Geschichte über eine ganze Reihe von Tagen und Nächten erstrecken sollte, ähnlich wie in Quest for Glory 2. The Colonel’s Bequest konzentriert sich stärker auf das Erzählen einer Geschichte und auf Gespräche als andere Sierra Spiele, somit würde ich sagen, dass das Gameplay von The Crimson Diamond am stärksten dem von The Colonel’s Bequest ähnelt (und außerdem ein ähnliches Akronym hat).
Die Geschichte ist von Krimis von Authorinnen wie Agatha Christie angeregt, die auch die Geschichte in The Colonel’s Bequest inspiriert hat. Es ist ein klassisches Szenario, das ich sehr mag: Stecke ein paar unleidliche Personen an einem Ort zusammen und lass sie streiten und intrigieren, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Selbstverständlich ist die Spielfigur (Nancy Maple) optimistisch, neugierig, packt Dinge an und steckt ihre Nase in absolut jede Angelegenheit.

8bit-ninja: Das erste Kapitel von The Crimson Diamond ist als Demo verfügbar. Welchen Anklang fand es?
Julia Minamata: Die Demo wurde bis jetzt sehr positiv angenommen. Es ist sehr ermutigend zu erfahren, dass sich nicht nur Menschen dafür begeistern, die mit dieser Art von Spielen aufgewachsen sind, sondern auch junge Leute, die so etwas noch nie zuvor gesehen haben. Die EGA Palette ist sehr kräftig und unverkennbar und wird heutzutage nur selten eingesetzt. Ich habe The Crimson Diamond bei Veranstaltungen vorgeführt und konnte leuchtende Augen beobachten, als Leute diese Farben gesehen haben. Bei Kindern, die das Spiel sehen und Befehle in den Textparser eingeben, bin ich überrascht, wie schnell sie damit zurechtkommen. Ich weiß, dass viele nicht mit Textadventuren vertraut sind, daher habe ich eine Schritt-für-Schritt Einleitung eingebaut und das Design etwas modernisiert (Automatisches Speichern, ein Notizblock, der den Fortschritt verzeichnet). Ich denke, dass diese Art von Spielen auch im 21. Jahrhundert ihren Platz haben.

8bit-ninja: Welche Werkzeuge benutzt du zum Erstellen des Spiels?
Julia Minamata: Ich baue das Spiel in Adventure Game Studio. Es ist ein wunderbares Open Source Werkzeug mit einer sehr benutzerfreundlichen Entwicklungsumgebung und mit aktiven Foren, falls ich mal eine technische Frage habe. Andere Entwickler, die AGS für Ihre Spiele nutzen, sind Francisco Gonzalez (Lamplight City), Dave Gilbert (Unavowed) und Kostas Skiftas (Theropods). Das Wissen, dass andere mit AGS kommerzielle Spiele entwickelt haben, hat mich darin bestätigt, dass ich es auch schaffen kann.

8bit-ninja: Abgesehen von der Musik machst du beim Spiel alles selbst, wie Grafik, Programmierung, Geschichte, Marketing und vermutlich noch eine ganze Menge mehr. Was ist für dich das Schwierigste beziehungsweise Herausfordernste an The Crimson Diamond?
Julia Minamata: Der herausfordernste Aspekt ist das Marketing! Es ist so ziemlich der einzige Teil, bei dem ich nicht direkt das Ergebnis beeinflussen kann. Es ist schwer, anderer Leute Interesse zu wecken, da es eine so große Menge an Spielen gibt. Ich habe einen monatlichen Newsletter, bin ziemlich aktiv auf Twitter [@JuliaMinamata] und live-streame die Entwicklung von Spiel-Grafiken und -Musik jede Woche [@a_maplemystery] — man könnte jedoch stets mehr machen! Aber ich kann mich nicht ausschließlich auf die Vermarktung konzentrieren, da die Entwicklung des Spiels noch immer oberste Priorität hat.

8bit-ninja: Wie sehr willst du dich bei der Entwicklung des Spiels, besonders bei den Rätseln, an den Vorbildern orientieren und wie sehr willst du dich „Modernen Geschmäckern“ anpassen? Beispielsweise sind einige klassische Adventure-Serien berüchtigt für ihre obskuren Rätsel und plötzlichen Tode.
Julia Minamata: Ich versuche zu erreichen, dass sich The Crimson Diamond wie unsere wärmste und nostalgischte Erinnerung an diese alten Klassiker spielt. Die Rätsel sind logisch entworfen. Die Texteingabe macht das Spiel schon herausfordernd genug, da besteht keine Notwendigkeit, das ganze noch schwerer zu machen. Es gibt Tode, aber man erhält reichlich Vorwarnungen bevor sie eintreten. Das Notizbuch im Spiel ist eine moderne Komfortfunktion, die ich in Thimbleweed Park sehr zu schätzen gewusst habe. Automatisches Speichern wurde für diejenigen eingebaut, die nicht mit Sierras Leitspruch „Speicher früh, speicher oft“ aufgewachsen sind.

8bit-ninja: Da du freie Texteingabe benutzt, schätze ich mal, dass es sehr viel beiläufigen Text und Interaktionen jenseits des eigentlichen Lösungswegs gibt? Wie entscheidest du, was es in das fertige Spiel schafft (wie „voll funktionsfähige“ Badezimmer)? Wird es obskure Eastereggs geben?
Julia Minamata: Auf jeden Fall! Es bereitet mir sehr viel Freude, diese ausschmückenden Texte zu schreiben. Einer der wesentlichsten Anziehungpunkte von Abenteuerspielen ist das Setting. Ich liebe es, diese Szenarien für mein Spiel zu erschaffen, sowohl grafisch als auch durch Beschreibungstexte. Es ist auch besonders reizvoll, zu beobachten, wie Leute etwas ungewöhnliches in den Textparser eingeben und mit einer passenden Antwort belohnt werden. Diese Freude ist die wahre Magie von Textparsern.
Viele Funktionalitäten abseits des Lösungswegs (spülende Toiletten, man kann sich die Hände in jedem Waschbecken waschen oder Whiskey im Speissaal trinken) entstanden, als ich mich mit dem Spiel eher als einem Hobby denn einem kommerziellen Produkt befasste. Ursprünglich hatte ich das Anwesen als eine Art Puppenhaus erstellt und mich selbst damit zu unterhalten, es mit Möbeln auszustatten und zum Leben zu erwecken. Ich bin inzwischen froh darüber, so angefangen zu haben, weil diese kleinen unnützen Details dem Spiel viel Persönlichkeit geben.

Ein Easteregg befindet sich in der Demo. Es ist eine Hommage an The Colonel’s Bequests Hommage an Alfred Hitchcock! Liebend gerne würde ich noch mehr kleine Geheimnisse einbauen, aber fürs erste konzentriere ich mich auf die Fertigstellung des Spiels.

8bit-ninja: The Crimson Diamond benutzt EGA Grafik. abgesehen vom künstlerischen Aspekt, erleichtert oder erschwert diese eingeschränkte Farbtiefe und Auflösung die Arbeit?
Julia Minamata: Die EGA Palette und die niedrige Auflösung (320×200) erleichtert die Entwicklung des Spiels! Zwar kann ich den Aufwand nicht mit anderen Spielen vergleichen, da dieses mein erstes Projekt ist, aber mit Einschränkungen zu arbeiten hilft mir sehr, kreativ zu sein. Figuren bei einer niedrigen Auflösung zu animieren spart ebenfalls Zeit.

8bit-ninja: Du hast erwähnt, dass du regelmäßig Teile der Spielentwicklung streamst. Wie kam es dazu?
Julia Minamata: Das Streamen ist ein direktes Ergebnis der Covid-Situation. Dan Policar (der Musiker, der mit mir arbeitet), tourt üblicherweise durch die ganze Welt als Mitglied von Sean Pauls Band und tritt auch sonst praktisch überall auf. All das kam abrupt zum Stillstand. Er schlug vor, dass wir Streamen ausprobieren sollten, um The Crimson Diamond zu bewerben und allgemein auf diese einzig verbliebene Art und Weise in Kontakt zu bleiben.

Ich bin froh darüber, dass wir angefangen haben zu Streamen. Es war aus den bereits erwähnten Gründen wunderbar, und ich habe eine Menge über die Nutzung von Twitch gelernt. Ich habe auch einige tolle Streamer entdeckt und sehe bei der Arbeit gerne zu, wie eine Reihe von Spielen gespielt werden.

8bit-ninja: Und wie kommt die Entwicklung voran? Was benötigt noch Arbeit und wann, denkst du, wird das Spiel fertig sein?
Julia Minamata: Die Entwicklung kommt gut voran, obwohl ich wohl nicht extra erwähnen muss, dass ich gerne weiter wäre. Das Spiel ist auf 7 Kapitel ausgelegt. Die Demo umfasst das erste und das fertige Spiel wird gleich zu Beginn alle sieben enthalten. Momentan schließe ich gerade Kapitel 4 ab. Wenn alles gut geht, sollte das Spiel irgendwann nächstes Jahr erscheinen.

8bit-ninja: Möchtest du sonst noch über irgend etwas reden?
Julia Minamata: Ich möchte dir auf jeden Fall für dein Interesse an meinem Spiel danken. Zu wissen, dass es Menschen in der ganzen Welt gibt, die diese Art von Spielen lieben und mehr darüber erfahren wollen, ist für mich eine große Bestätigung. Liebe Grüße aus Kanada.

8bit-ninja: Vielen Dank für das Interview und Grüße zurück aus Deutschland.