Nach dem fünfzigsten Geburtstag von Pong kann die Gamingindustrie mit Fug und Recht von sich behaupten, inzwischen über ein halbes Jahrhundert alt zu sein. In dieser Zeit wurden nicht nur unzählige originelle Unterhaltungsprodukte hervorgebracht, sondern auch eine ganze Reihe an Nachfolgern, langlebigen Serien oder kompletten Neuauflagen entwickelt. Doch im Gegensatz zu anderen Medien, die beispielsweise noch immer problemlosen Zugriff auf den ersten James Bond Streifen erlauben, gestaltet sich diese Zeitreise bei Videospielen aufgrund ihrer sehr technischen Natur und oft inkompatiblen Weiterentwicklung der zugehörigen Abspielgeräte um einiges schwieriger. Glücklicherweise entstanden vor allem in den Nullerjahren auf Playstation 2, XBox und Gameqube diverse Neuinterpretation klassischer Titel, die das jeweilige Original als Bonus im Spiel selber versteckten. Doch auch vorher und danach gab es derartige Vorkommnisse von Spielen in Spielen, von denen ich hier meine Top 10 zusammengetragen habe.

Spyhunter in Spyhunter: nowhere to run

Der 2006er Titel Spyhunter: nowhere to run dürfte weniger für seinen spielbaren Arcade-Automaten bekannt sein, sondern vielmehr als das Spiel zur gleichnamigen, aber niemals erschienenen filmischen Adaption der Reihe mit Dwayne „the rock“ Johnson in die Annalen der Geschichte eingehen. Dennoch bot es eine gute Gelegenheit, den Spielhallenklassiker Spyhunter von 1983, der das Genre des Vehicular Car Combats mitbegründete, auch daheim einmal anzutesten.

Mortal Kombat 2 in Mortal Kombat: Shaolin Monks

Genau genommen handelt es sich bei Mortal Kombat: Shaolin Monks weniger um einen Nachfolger der Prügelspielreihe als vielmehr ein Spin-Off in einem gänzlich anderen Genre, aber hey, meine Liste, meine Regeln. Die Mortal Kombat Spiele glänzen seit jeher mit einer großen Menge an versteckten Goodies und Extras, und so kann im 3D Brawler aus dem Jahr 2005 auch die Arcadeversion von Mortal Kombat 2 freigespielt werden. Das gilt jedenfalls für die nicht-deutsche Version, denn hierzulande wurden nicht nur diverse Fatalites in Shaolin Monks wortwörtlich geschwärzt, sondern auch auf den Spielhallentitel verzichtet, war dieser doch in Deutschland bis März 2020 beschlagnahmt und indiziert.

House of the dead 2 in House of the dead 3

Erschien das oben genannte Mortal Kombat: Shaolin Monks in Deutschland nur stark geschnitten, blieb der XBox-exklusiven Heimversion des dritten Teils der House of the Dead Serie hierzulande aus Jugendschutzgründen gleich komplett eine Veröffentlichung verwehrt. Wer 2003 jedoch zur internationalen Version griff, konnte auch den zweite Teil der Light-Gun-Shooter Reihe freischalten und somit nicht nur eine der schlechtesten Synchronisationen der Videospielgeschichte am eigenen Leib erfahren, sondern auch die für Arcade-Titel typische kurze Spielzeit deutlich verlängern.

Prince of Persia in Prince of Persia: Sands of Time

Der ursprünglich 1989 von Jorden Mechner ersonnene persische Prinz hatte bereits 1999 einen wenig erfolgreichen 3D Reboot hinter sich, als Ubisoft 2003 mit der „Sands of time“-Trilogie einen erneuten Neustart wagte. In deren schlich „Prince of Persia: The Sands of Time“ betitelten ersten Teil können Interessierte die 2D Wurzeln des adeligen Abkömmlings aus dem Morgenland ergründen und eine Version des ursprünglichen Prince of Persia Spiels freischalten, das vor allem wegen seiner Animationen als Klassiker gilt.

Outrun in Ourun 2 / Outrun 2006: Coast to Coast

SEGAs Arcadeautomat aus dem Jahr 1986 stellt für mich den Prototypen eines Fun-Racers dar: Blitzschneller, farbenfroher und unkomplizierter Fahrspaß, gepaart mit einer zeitlosen Musikuntermalung, die sofort gute Laune versprüht. Kein Wunder also, dass sich dieser SEGA Klassiker nicht nur in den virtuellen Spielhallen der Yakuza– und Shenmue-Reihe wiederfindet, sondern auch in den exzellenten Nachfolger Out Run 2 für XBox (2004) beziehungsweise dessen umfangreichen Erweiterung Outrun 2006: Coast to Coast zusammen mit diversen Stücken des ursprünglichen Soundtracks quasi als spielbares Exponat der Seriengeschichte eingebaut wurde.

Pitfall in Pitfall: the Mayan Adventure

Pitfall von David Crane dürfte mit einer Veröffentlichung im Jahr 1982 das älteste und vielleicht simpelste der hier vertretenen Originalspiele sein, überzeugte zur seiner Zeit auf dem Atari VCS 2600 aber sowohl technisch als auch spielerisch. Pitfall: the Mayan Adventure, das 1994 für diverse Konsolen wie dem Supernintendo und Mega Drive auf den Markt kam, hatte dagegen angesichts des damaligen Plattformer-Booms einen deutlich schwierigeren Stand und wurde mit durchwachsenen Bewertungen aufgenommen, bleibt mir jedoch auch als eines der ersten Konsolenspiele in Erinnerung, das seinen Urahn als verstecktes Easteregg enthielt.

Panzer Dragoon in Panzer Dragoon Orta

Wie schon in meinem Test zu Panzer Dragoon: Remake angemerkt, stellt das nur auf XBox erhältliche Panzer Dragoon: Orta von 2002 als dritter „Kerntitel“ für mich den bisherigen Höhepunkt der Railshooter-Reihe dar. Das betrifft nicht nur Gameplay und Spieldauer, sondern auch den Umfang der freispielbaren Extras. Denn dort finden sich nicht nur Dossiers, Konzeptzeichnungen und Soundtracks, sondern auch Zusatzmissionen mit teils neuen Mechaniken sowie der komplette SEGA Saturn-Erstling der Serie von 1995.

Ninja Gaiden 1-3 in Ninja Gaiden / Ninja Gaiden Arcade in Ninja Gaiden Black

Ninja Gaiden (2004) für die XBox war einer der Hauptgründe für meinen Erwerb der Microsoft-Konsole, mir bis dato jedoch gar nicht als langlebige Serie geläufig. Das sollten die im Spiel verteilen goldenen Scarabäen und andere Collectables ändern, denn der XBox-Titel bot die Möglichkeit, alle drei Teile der NES Trilogie von 1988, 1990 und 1991 freizuschalten. Das 2005 als eigene Disk-Version erhältliche Update Ninja Gaiden Black hob nicht nur mit den beiden Hurrican Packs den Schwierigkeitsgrad des ohnehin recht anspruchsvollen Action-Adventures noch einmal an und spendierte einige Kostüme und einen Missionsmodus, sondern tauschte auch das Bonusspiel aus: mit der Arcade-Version von 1988 wurde damit zu absoluten Ursprung der Serie zurückgekehrt, der sich als mehr oder weniger klassischer Brawler deutlich von den Umsetzungen für das Nintendo Entertainment System unterscheidet.

Maniac Mansion in Day of the Tentacle

Zwar hat Lucasfilm Games auch schon vor Maniac Mansion Spiele entwickelt, doch mit dem verrückten Anwesen, das ab 1987 auf diversen Heimcomputern und dem NES erforscht werden könnte, machten sich die Kalifornier einen Ruf als eine DER führenden Kräfte im Bereich der Point’n’Click Adventure. Diesem konnten sie auch gerecht werden, als 13 Jahre später der Nachfolger Day of the Tentacle für MS-DOS und Mac erschien. Er erfüllte nicht nur alle Ansprüche an Rätselqualität und Humor, sondern hielt auch im Spiel selber einen Computer vor, über den sich Teil eins spielen ließ.

Doom 1 & Doom 2 in Doom Eternal

Wer Doom als eines der besten Videospiele aller Zeiten bezeichnet, dürfte sicherlich keine sonderlich kontroverse Meinung vertreten. Überzeugte der MS-DOS Egoshooter 1993 mit zumindest für damalige Zeit revolutionärer Technik und begründete die bis heute anhaltende Popularität des Genres mit, hat sich der Titel zumindest in Sachen Spielspaß auch in den knapp 30 Jahren nach Erstveröffentlichung erstaunlich gut gehalten. Da stört es auch wenig, dass Doom2 nur ein Jahr später erschien und eher eine Erweiterung denn echter Nachfolger war.
Ähnliches lässt sich theoretisch auch über Doom Eternal von 2020 auf PC und praktisch allen zeitgenössischen Konsolen sagen, setzt es doch konsequent den vom schlicht Doom genannten 2018er Reboot der Serie eingeschlagenen Weg fort. Anhand eines In-Game-PCs lässt sich dann auch der Wechsel von Doom zu Doom 2 nachvollziehen, denn in der aktuell letzten Inkarnation der Reihe versteckt sich nicht nur das wegweisende Debüt der 3D-Shooters, sondern auch der zweite Teil.

Wie der Spitzenplatz der Liste belegt, gibt es auch recht aktuelle Spiele, die ihren Wurzeln in spielbarer Form Respekt zollen, auch wenn dieses bei moderneren Serien seltener der Fall sein dürfte: Es ist kaum denkbar, dass ein zukünftiges Assassin’s Creed den ersten Ausflug in die Welt der Attentäter von 2007 auf der Playstation 3 beziehungsweise XBox 360 mit in das Spiel selber einbaut. Aufgrund der Komplexität und des beachtlichen Budgets ist stattdessen eine Zweitvermarktung in Form eines Remakes oder Deluxe-Updates um einiges wahrscheinlicher. Dennoch bleibt zu hoffen, dass nicht nur der einen oder anderen bislang brach liegenden IP mit einer aktuellen Versoftung neues Leben eingehaucht wird, sondern der Geschichtsunterricht über die jeweiligen Ursprünge als spaßige Dreingabe gleich mitgeliefert wird.

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