thai-knee-dancer
geschrieben am 06.10.2025
XBox Review: Shantae Advance: Risky Revolution! im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 08.09.2025
Der Gameboy Advance gehört insbesondere in der SP Version zu meinen absoluten Lieblingskonsolen. Ich halte das klappbare Spielgerät im handlich-kompakten Format für eine Meisterleistung industriellen Designs und es war mein erstes Nintendo-Produkt, das ich direkt zum Verkaufsstart und nicht erst Jahre später für die Retro-Sammlung erstanden habe. Demzufolge konnte ich in seiner aktiven Zeit zwischen 2003 und etwa 2006 zahllose erstklassige Vertreter bekannter Spiele-Serien wie Advance War, Metroid, Castlevania, The Legend of Zelda oder die Ursprünge von Wario Ware genießen. Eine Reihe, die dem kleinen Kasten bis dato verwehrt blieb, war Shantae von WayForward. Ein Nachfolger des von den Kritiken zwar hochgelobten, kommerziell aber nicht sonderliche erfolgreichen ersten Game Boy Color Abenteuers der namensgebenden Titelheldin wurde zwischen 2002 und 2004 zwar für den GBA entwickelt, ohne entsprechenden Publisher aber weder zeitnah fertiggestellt noch veröffentlicht. Nun haben sich mehr als 20 Jahre später die kalifornischen 2D Spezialisten mit den Profis für physikalische Retroveröffentlichungen von Limited Run Games zusammengetan und mit Shantae Advance: Risky Revolution! diesen verlorenen Teil der Saga nicht nur als Modul für besagten Handheld veröffentlicht, sondern zudem noch eine spezielle Version dieses neuen, alten Spiels für nahezu alle halbwegs aktuellen Konsolen bereitgestellt. Mir gegenüber war man so nett, mich mit einem Reviewcode für die Xbox zu versorgen.

Auf zeitgenössischer Hardware kann dann im spartanischen Hauptmenü neben einem offensichtlich von Smash Brothers inspirierten Bonus-Spiel für 2-4 lokale Spieler, zu dem ich in Ermangelung ausreichender Mitspieler leider nichts sagen kann, zwischen der ursprünglichen 2004er Handheldversion und der „modernen“ Fassung des Spiels im Storymodus gewählt werden. Letztere behält zwar weiterhin im eigentlichen Spiel die wunderschöne Pixeloptik der tragbaren Konsole bei, tauscht aber in den statischen Zwischensequenzen, in Shop- und Ausrüstungsmenüs sowie an einigen anderen Stellen die 240 × 160 Bildpunkte von Nintendos Taschenkonsole gegen die hochaufgelösten und in kräftigen Farben gehaltenen Cartoon-Grafiken jüngerer Shantae-Spiele aus. Das ist zumindest ein interessanter Ansatz der „Überarbeitung“ eines klassischen 2D-Spiels, auch wenn in meinen Augen nicht ganz klar ist, warum die Downloadgröße von Shantae Advance: Risky Revolution! dadurch auf gut 4 GB wachsen muss, zumal die bei anderen Retrotiteln übliche Optionen wie Grafikeinstellungen zur Nachahmung des beleuchteten TFT-Bildschirms schuldig bleiben.
Wer die Reihe nicht kennt, könnte anhand von Screenshots oder grober Genre-Einteilung der Meinung sein, Shantae Advance: Risky Revolution! sei ein klassisches Jump-and-Run. Tatsächlich bewegt sich die junge Halb-Dschinniya-Dame in der Regel hüpfend und springend über in der seitlichen Perspektive gezeigte Plattformen, jedoch macht sie das hauptsächlich, um größere Strukturen zu erkunden und verschiedene Gegenstände und Fähigkeiten zu erlangen, die dann im Rahmen der humorvoll erzählten Geschichte weitere Bereiche zugänglich machen. Damit hat das Spiel mehr Ähnlichkeiten mit Ablegern der Legend of Zelda oder Metroid-Reihe als mit Mario oder Sonic, wobei der Ablauf viel linearer ist kein grundsätzlich offenes, zusammenhängendes Gebiet bereist wird, sondern zwischen einzelnen, in sich geschlossenen Zonen per Flugvogel gewechselt werden. Das ganze ist nötig, da Piratin und Schantaes Erzrivalin Risky Boots mittels einer im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegenden Erfindung nicht nur den Heimatort der Protagonistin, sondern gleich das komplette Land bedroht. Viele der nach und nach ansteuerbaren, thematisch unterschiedlichen Umgebungen sind dabei eher klein beziehungsweise teilweise nur wenige Bildschirme groß und dienen vorrangig dazu, Auftraggeber für Fetchquests und amüsante Zwiegespräche zu beheimaten. Einige Gegenden sind jedoch extrem umfangreich und fungieren als Schauplatz für den Großteil des Gameplays, das weitestgehend dem gleichen Aufbau folgt: Zunächst gibt es einen Außenbereich, der zusätzlich zu mehreren Nebenhöhlen auch ein größeres Verlies aufweist, dessen Eingang erst einmal geöffnet werden muss. In diesen Abschnitten teilt sich das Spielfeld in einen Vorder- und einen Hintergrund, zwischen denen die Hauptfigur an Portalen wechseln kann und die dank der zuvor erwähnten bedrohlichen Maschinerie manipuliert werden können. Zusammen mit anderen Elementen ist diese Wechselwirkung dann auch essentieller Bestandteil für den Zugang zum Hauptgewölbe, in dessen Inneren sich Shantae mit Hilfe von eingesammelten Schlüsselgegenständen ebenfalls den Weg kämpfend und knobelnd freiräumen muss, um anschließend ihre Kräfte mit einem fordernden Boss-Gegner zu messen. Wie in anderen Spielen der Reihe erlernt und verbesser die Protagonistin auch im Laufe von Shantae Advance: Risky Revolution! die Fähigkeit, sich unvermittelt in verschiedene Tiergestalten zu verwandeln, was für das weitere Vorankommen unabdingbar ist: Als niedliches Äffchen passt sie zum Beispiel durch enge Öffnungen und kann Wände hinauf krabbeln, während sie in Form unterschiedlicher Meeresbewohner ihr Bewegungsrepertoire unter Wasser ausbaut. Jeweils eine teils gut versteckte, teils handlungskritische Zusatzfähigkeit erweitert diese animalischen Verwandlungen noch um eine besondere Gabe wie ein Offensivmanöver. Auch in ihrer menschlichen Daseinsform ist der hilfreiche Halb-Dschinn nicht hilflos und bedient sich wie einst Willow Smith ihrer Haare, um sich per Pferdeschwanz-Attacke der durchaus zahlreichen und regelmäßig neu auftauchenden, aber nicht sonderlich gefährlichen Standardgegner zu entledigen. Die lassen beim Ableben ebenso wie zerstörbare Krüge einerseits mitunter Herzen fallen, mit der sich das angeschlagene Wohlbefinden wieder auffrischen lässt, und andererseits Edelsteine, die sich im Shop in nützliche Upgrades für Angriffe, magische Verteidigungszauber oder anderweitig nützliche Verbesserungen investieren lassen. Und wer besonders geschickt die einzelnen Verwandlungen einsetzt oder die Umgebung bereits besuchter Bereich noch einmal genau inspiziert, findet eventuell Herzcontainer, die die Gesundheit verbessern oder versteckte Tintenfische.

Shantae Advance: Risky Revenge! weiß mit diesem ausgewogenen Mix aus mit Dialogboxen vorangetriebener Story, Erforschen, leichten Rätseleinlagen und lockerer Plattformaction überaus zu gefallen, hat jedoch einige strukturelle Schwächen: Zum einen sind die Aufgabenstellungen teils sehr allgemein gehalten, so dass nach Abschluss eines Hauptziels nicht immer ganz deutlich ist, welche Region anschließend zu bereisen oder was als nächstes zu tun ist. Zwar ergibt sich das oftmals daraus, welche Landstriche zuletzt freigeschaltet wurden beziehungsweise welche Ziele noch keine Belohnung freigegeben haben, dennoch hätten vor allem in einer speziellen Situation etwas eindeutigere Vorgaben nicht geschadet. Gleiches gilt auch für den Fortschritt in den ausladenden Arealen, was vor allem an einer fehlenden Karte liegt. Mehr als einmal war zwar grundsätzlich offensichtlich, welche Schritte als nächstes zu tun sind, doch der Weg dorthin schien mir beispielsweise durch den variablen Zwei-Ebenen-Aufbau oder verschachtelte Raumanordnung nicht ganz klar. Das soll nun nicht heißen, dass die Level von WayForward schlecht gestaltet wurde, jedoch hätte das eigentlich auch schon zur Jahrtausendwende fest etablierte Hilfsmittel einer zumindest groben Karte spätestens im überarbeiteten wenn nicht gar im original GBA-Modus Übersicht schaffen und unnötig langes, frustrierendes Herumrennen vermeiden können. Zudem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Titel an einigen Stellen unter leichten Slowdowns leidet, was angesichts des recht gemächlichen Spieltempos jedoch keine sonderlich negativen Auswirkungen hat. Gleiches gilt im Übrigen auch für den durch die ursprüngliche Hardware vorgegebenen kleinen Bildausschnitt, schließlich gibt es praktisch nie hektische Situationen, die mehr Überblick erfordern würden. Vielmehr bietet die Auflösung des Gameboy Advance der nostalgischen Grafik eine Leinwand, die unter Beweis stellt, dass jeder einzelne der knapp 38000 Bildpunkte mit bedacht gesetzt wurde und wichtig ist. Die farbenfrohe Optik ist jederzeit hervorragend identifizierbar und unabhängig davon, ob für ein altes System entworfen oder nicht, ein Paradebeispiel für gelungene Pixelart. Seit jeher kommt der Serie dabei das ausdrucksstarke und überzeugende Design der Figuren zugute. Gerade bei der Gegenüberstellung der hochauflösenden Charakteransichten und ihren pixeligen Pendants merkt man, wie gut die quirligen Essenz des Ensembles in die nicht ganz so kleinen, digitalen Quadrate übertragen wurden. Mit ihrer gefälligen, unbeschwerten Art, positivem Humor und der nicht ganz ernstzunehmenden Rivalität zu Risky Boots hätte sich Shantae auch hervorragend für eine Cartoon-Serie der 90er mit wöchentlich neuen Eskapaden geeignet. Daher ist es fast schon etwas schade, dass in Shantae Advance: Risky Revolution! die lilahäutige Freibeuterin trotz ihrer klaren Rolle als Bösewichtin etwa zu kurz kommt. Dafür wird neben einigen Bekannten wie Onkel Mimic oder dem Zombie-Mädchen Rottytops auch ein paar Neuzugängen eine entsprechende Bühne geboten. Trotz grafischer Aufbereitung in der 2025er Version kann man übrigens in deren Dialogsequenzen keine Bewegungsabläufe auf Zeichentrickniveau erwarten, sondern erblickt allenfalls leicht auf- und ab wippende oder blinzelnde Ansichten der Akteure, was aber eigentlich völlig ausreicht, zumal als Ersatz In-Game einige herzallerliebste Animationen zu finden sind, beispielsweise wenn ein Bart in einem Toaster stecken bleibt oder Shantae zu lange auf der Stelle verweilt und ihre Garderobe richtet. Etwas befremdlich sind dagegen die sporadisch genutzten Rotationseffekte, denn selbst im vermeintlich authentischen Gameboy-Modus scheint deren Berechnung in einer sehr viel höheren Auflösung zu erfolgen, was zu „schrägen“ Pixeln und einem leichten Bruch des Retro-Feelings führt.

Ob auch bei der Akustik ein wenig um die Fähigkeiten der Klapp-Konsole herum gearbeitet wurde vermag mein Ohr nicht festzustellen, der elektronische Soundtrack weiß aber zweifelsohne mit Abwechslungsreichtum und schmissigen Melodien zu gefallen. Vor orientalisch angehauchten Hauptthemen über funkige Musikstücke bis hin zu mysteriösen Klängen in Höhlen passt die Untermalung gut zu den Umgebungen und verbreitet einfach gute Laune. Da stört es dann auch nicht weiter, dass einige Motive aus anderen Shantae-Teilen bekannt erscheinen, schließlich bleibt ein guter Song ein guter Song.
Auch wenn Shantae Advance: Risky Revolution! nicht die neue Spitzenposition innerhalb der Reihe einnimmt (diese Ehre gebührt meiner Meinung nach noch immer Shantae and the Pirate’s Curse), ist der Titel doch ein würdiger Vertreter und zeigt, wie viel Sorgfalt WayForward bei der Eigenschöpfung walten lässt. Kurze Spielzeit und gelegentliche Unübersichtlichkeiten im Ablauf dämpfen den Spielspaß zwar etwas, allgemein zeigt das Spiel aber, wie gut sich ein über zwei Dekaden altes Konzept gehalten hat und ist alleine schon aus historischen Gründen als wieder auferstandene Retro-Veröffentlichung für eine der besten Konsolen aller Zeiten interessant.
XBox Review: Dorfromantik im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 19.08.2025
Als Hörer vieler englischsprachiger Podcasts finde ich es stets amüsant, dort auf deutsche Wörter zu stoßen, die es in den fremdländischen Sprachgebrauch geschafft haben. Seit März 2021 dürfte sich zu Begriffen wie „Zeitgeist“, „Kindergarten“ oder „Rucksack“ auch das Kunstwort „Dorfromantik“ gesellen, denn zu diesem Zeitpunkt wurde die Early Access Version des gleichnamigen Überraschungshits aus deutschen Landen für den PC veröffentlicht, auf die relativ zeitnah einer Fassung für Nintendo Switch und gar ein physikalisches Brettspiel folgte.
Nach erstaunlich langer Zeit sind nun auch Varianten für Xbox und Playstation verfügbar, und Headup, die für Vertrieb und Portierung verantwortlich sind, waren so freundlich, mir einen Code für die Microsofts Konsolenfamilie zur Verfügung zu stellen.

Native Speaker, für die Anglizismen ein No-Go sind, könnten vielleicht schon dem Titel entnommen haben, das es sich bei Dorfromatik um ein entspannendes Puzzle-und Legespiel handelt, bei dem die Gestaltung von idyllischen Landschaften und Siedlungen im Mittelpunkt steht. Mit seinen zu platzierenden sechseckigen Umgebungskarten ähnelt es dem Aufbau der Siedler von Catan, El Dorado oder auch Carcassonne, ist aber eher verwandt mit ähnlich geformten Puzzeln, bei denen darauf zu achten ist, dass die Kanten übereinstimmen. Im Bereich der Videospiele muss es sich dem Vergleich mit dem von mir als gut bewerteten Match Village stellen, wobei fairerweise davon auszugehen ist, dass Match Village 2024 als Reaktion auf Dorfromantik entstand und dass beide Spiele trotz vieler Gemeinsamkeiten bei Spielablauf und -Mechaniken auf grundverschiedenen Ausgangssituationen basieren: Insbesondere ist Dorfromantik im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr viel offeneres Spiel, denn es geht nicht darum, eine begrenzte Fläche möglichst optimal zu nutzen. Vielmehr kann und muss das bislang gelegte Gebiet praktisch frei an seinen Außengrenzen erweitert werden, um zu Expandieren und unter anderem zu zunächst nur schemenhaft dargestellte Örtlichkeiten auf der Karte aufzuschließen. Zudem zeigen die hexagonalen Kacheln in der Regel nicht nur eine Landschaftsart, sondern bestehen oft aus mehreren Typen, so dass den Kanten und deren Ausrichtung eine sehr viel größere Bedeutung zukommt. Elemente wie Flüsse oder Eisenbahnschienen müssen gar korrekt an entsprechende gleichartige Felder angelegt werden, und auch, wenn sich die meisten anderen Karten theoretisch frei platzieren lassen, macht es Sinn, sie durch Drehen und entsprechende Positionierung so in die Landschaft einzubetten, dass zusammenhängende Flächen gleicher Art entstehen. Denn nur auf diese Weise lassen sich die auf einigen Plättchen vermerkten Aufgaben wie ein Dorf einer gewissen Größe oder eine Wasserstraße, die sich über eine bestimmte Anzahl von Feldern erstreckt, erfüllen. Derartige Missionen sind dann leider die einzige zentrale Spielmechanik von Dorfromatik, wird deren Erfüllung doch kurzfristig nicht nur mit Punkten belohnt, sondern auch der begrenzte und der Reihe nach abzuarbeitende Stapel an Umgebungskarten aufgestockt und so ein vorzeitiges Game Over abgewendet. Übergreifend schalten sie des Weiteren neue Kartenarten sowie spezielle Gebäude frei oder erweitern das Einstellungsmenü um eine Hand voll parallel aktivierbare Themen, die das gestalterische Vorhaben mit einer anderen Kolorierung versieht. Dabei macht die frei dreh- und zoombare Grafik mit ihrer in sanften Farbtönen gehaltenen Mischung aus Papercraft-Look und von kräftigen, schwarzen Strichen akzentuierten Cellshading-Optik eigentlich grundsätzlich eine gute Figur, aus nächster Nähe erscheinen mir persönlich jedoch vor allem Wälder und namensgebende Dörfer obwohl technisch absolut einwandfrei eine Spur zu simpel und langweilig. Gelegentliche animierte Details wie ein vorbeiziehender Vogelschwarm oder langsam über das aufgebaute Schienennetz tuckernde Lokomotiven unterstützen aber doch den meditativen, fast schon modellbauerischen Charakter von Dorfromatik, der darüber hinaus noch von ruhigen Naturgeräuschen nebst gelegentlich eingestreuter entspannender Musik getragen wird. Ein wirklicher Wuselfaktor wie in wirtschaftsgetriebenen Siedlungs-Simulationen will sich jedoch nicht einstellen. Verschiedene Spielmodi erlauben es dafür unter anderem, sich dennoch losgelöst von Kartenbeschränkungen frei der Landschaftsgestaltung zu widmen, während andere mit beispielsweise weniger Quests oder einer fest vorgegebenen Anzahl an ablegbaren Spielsteine zumindest pro Forma eine höhere Herausforderung bieten, die in Online-Highscore-Listen verglichen werden kann, aber selbstverständlich keine neuen Konzepte oder Mechaniken einführen.

Die durchgehend simple Spielmechanik ohne Zeitdruck und minimalistische Bedienelemente kommen auf der Konsole zudem der Steuerung zugute. Zwar hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht, die Tastenbelegung nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, um z.B. die Ansicht ohne Umgriff auf das Steuerkreuz per Schultertasten rotieren zu können, doch auch mit der unveränderlichen Vorbelegung des Controllers lassen sich die Kacheln anstandslos anlegen und die Welt problemlos navigieren, zumal Fehler mit der B-Taste umgehend behoben werden können. Besonders hilfreich ist, dass die Areale, die durch eine neu zu platzierendes Bauteil erweitert werden, farblich hervorgehoben und die Auswirkungen auf beteiligte Zielsetzungen direkt angezeigt werden. Allerdings kann mit wachsender Größe der Region ein wenig die Übersichtlichkeit verloren gehen, sowohl was Anzahl und Erfüllungsgrad aktiver Aufgaben angeht als auch die Landschafdetails der Bereiche, die sich am entfernten Ende der Ansicht befinden, wobei ich mehr durch Zufall als durch das eigentlich hilfreiche Tutorial entdeckt habe, dass ein Klick auf den linken Stick die Ansicht relativ schnell auf die anvisierte freie Stelle fokussiert, egal wie weit sie vom aktuell betrachteten Geschehen entfernt ist.
Dofromantik im Kontext anderer Konsolentitel zu bewerten ist nicht leicht, ist es in meinen Augen doch mehr digitales Spielzeug als Videospiel. Zwar gibt es Punkte, Regeln und Game-Over-Bedienungen, doch bin ich gerade Angesicht des unbegrenzten freien Platzes und des zunächst steten Nachschubs an zufälligem Baumaterial in den seltensten Fällen strategisch oder überhaupt planend vorgegangen, sondern habe die zu spielende Kachel relativ willkürlich dort abgelegt, wo sie bestenfalls zur offensichtlichen Lösung einer Vorgabe beisteuert oder ansonsten einfach nur „hübsch“ aussieht. Demzufolge kann ich die Anziehungskraft und Begeisterung, die Dorfromantik für Andere als Spiel ausmachen, nicht ganz nachvollziehen. So nett der Anreiz der steten Freischaltung neuer Elemente ist, kann er nicht mit der Freude einer mehrfach-Combo in Match Village mithalten, die auf einen Schlag gleich eine ganze Reihe von vormals belegten Feldern wieder freigibt. Natürlich muss man neidlos anerkennen, dass es sich bei Dorfromantik gerade angesichts vieler Spielvarianten, Grafiksets und individueller Regeleinstellungen um das komplettere Produkt handelt, an dem es auch technisch selbst auf einer XBox One S nichts auszusetzen gibt, unter rein spielerischen Gesichtspunkten würde ich aber dem etwas puzzle-lastigeren Match Village nicht zuletzt aufgrund des günstigeren Preises den Vorzug gewähren.
XBox Review: Maiden Cops im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 12.08.2025
Wenn es Vertreter eines Videospielgenre gibt, die ich vorrangig mit Arcade-Automaten in Verbindung bringe, sind es Brawler beziehungsweise seitlich scrollende Prügelspiele. Ohne sie genau verorten zu können, sind mir frühe Eindrücke von Double Dragon und Golden Axe auf entsprechenden Maschinen und die Faszination, die sie ausgelöst haben, fest im Gedächtnis verblieben. Portierungen und Neuschöpfungen vor allem auf den 16Bit-Systemen erfreuten sich in den frühen 90ern großer Beliebtheit, verdeutlichten aber auch, dass Ablauf und teils unfaire Schwierigkeitsgrade wohl hauptsächlich darauf ausgelegt waren, in der Spielhalle einen möglichst schnellen Game-Over-Bildschirm und damit einhergehend neuen Münzeinwurf zu provozieren, so dass sich das Spielprinzip im Heimbereich zudem durch oftmals mangelnden Tiefgang weit umfangreicheren und komplexeren Mechaniken beispielsweise von Rollenspielen geschlagen geben musste. Drei Dekaden später ist die Gaming-Landschaft mit einer robusten Indie-Szene und Nischen für Retro- und anderen Interessen weit vielschichtiger aufgestellt, und so erleben seit einiger Zeit auch Beat ‚em Ups wie Streets ot Rage 4, Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder’s Revenge oder eben Maiden Cops, für dessen kürzlich veröfentlichte Xbox-Version mir Publisher East Asia Soft freundlicherweise einen Code überlassen hat, eine Renaissance. Der Titel basiert dabei nicht auf eine etablierte Serie oder einem bekannten Franchise, sondern wartet mit seinem eigenen frischen, wenn auch etwas frivolen Setting auf. Denn die vorwiegend weibliche Bevölkerung von Maiden City scheint nicht nur Probleme damit zu haben, Kleidung zu finden, die nicht mindestens zwei Nummern zu klein ist, sondern hauptsächlich aus animalischen Mischwesen zu bestehen, was sich beispielsweise in gehörnten Schädeln, langen Tier-Schweifen oder schuppigen, krallenbesetzten Beinen äußert. Drei dieser Damen, die mich an den Anime „Die Monster Mädchen“ bzw. „Monsutā Musume no Iru Nichijō“ erinnern, arbeiten für das die Polizei in Maiden City und sind als Spielfigur mit jeweils eigenen Stärken und Schwächen wählbar: die etwas einfältige Allrounderin Priscila Salamander, das zierliche, aber sehr agile und herrische Hasenmädchen Nina Usagi so wie die zurückhaltende und etwas unbeholfene Teil-Kuh Meiga Holstaur, die fehlende Geschwindigkeit durch Kraft wettmacht und die in meinen Augen nicht nur wegen ihrer verheerenden Wirbelwindattacke und der Fähigkeit, schwere Gegenstände als Waffe aufzuheben, die beste Wahl darstellt. Wie zu erwarten ist die dünne Hintergrundgeschichte wenig mehr als ein fadenscheiniger Vorwand, um massenweise auf Gegnerinnen einzuprügeln, und führt die Gesetzeshüterinnen entweder alleine oder zu zweit an einer Konsole als Duo steuerbar durch 7 urbane Abschnitte. Ein Gefängnisausbruch stellt dabei lediglich den Auftakt für die Versucher einer „Befreier“ genannten Organisation dar, mit Hilfe von marodierenden Mädchen-Gangs die Kontrolle über die Stadt zu erlangen.

Spielerisch orientiert sich Maiden Cops klar an berühmten Vorbildern und macht wenig neu, dafür aber vieles richtig: Freie Bewegung über den Bildschirm in den 4 Himmelsrichtungen und jeweils ein Knopf für Angriffe und Sprünge gehören wohl zur Grundausstattung eines jeden Brawlers, ebenso wie die Fähigkeit, Widersacher zu Werfen oder gelegentlich Nahkampfwaffen von kurzer Haltbarkeit einzusammeln und zu nutzen. Die Möglichkeit, per doppelter Richtungseingabe kurz horizontal zu Sprinten oder eine vertikale Ausweichrolle auszuführen, sorgen trotz entspannt entschleunigtem Spieltempo für ausreichend Mobilität und Handlungsspielraum. Eine ebenfalls willkommene Abwechslung stellt die B-Taste dar, mit der sich Attacken praktisch unbeschadet blocken oder bei korrektem Timing gar parieren lassen. Zwar wird dann kein spektakulärer Gegenangriff a la Dead or Alive ausgeführt, sondern lediglich die Gegnerin zurückgeworfen, dennoch verleiht diese Mechanik dem simplen Prügler etwas mehr Spieltiefe. Gleiches gilt für die drei individuellen Spezialattacken, die teils ganze Gruppen aufs Korn nehmen und sich zum Glück nicht wie in manch anderem Genrevertreter bei der eigenen Lebenskraft bedienen, sondern von einer separaten Energieleiste gespeist werden, die sich stetig auffüllt. Die Gegenseite wartet dafür mit gut einem Dutzend verschiedener Feind-Typen auf, die egal auf welchem der drei Schwierigkeitsgrade ein angenehm ausbalanciertes Ausmaß an Aggressivität ausweisen und sich so im spaßigen Bereich zwischen Bedrohung und Kanonenfutter bewegen. Natürlich hätten noch zwei oder drei mehr Varianten von Gegenspielerinnen nicht geschadet, und zum Finale hin nimmt die Anzahl der zu bestreitenden Kämpfe ein wenig Überhand, generell ist das Design im Rahmen der Spielegattung jedoch fein abgestimmt: Gangmitglieder gehen weder zu schnell zu Boden noch muss man Minuten lang auf sie eindreschen, bevor sie Schaden nehmen, belohnende Bonusgegenstände und seltene Nahrungsmittel, die die angeschlagene Gesundheit auffrischen, halten die Motivation hoch und auch die in kleinere Abschnitte unterteilten Level, an deren Ende jeweils ein durchaus fordernder Boss wartet, sind stets kurz genug und wechseln die Szenarien, bevor Eintönigkeit oder gar Langeweile aufkommt. Viele der düsteren Stadtbereiche von Maiden City sind offensichtlich von klassischen Gang-Brawlern wie Final Fight oder Streets of Rage beeinflusst, während man eingestreute Fahrzeugpassagen, Abrissbirnen und wasserspeiende Gullideckel und Hydranten beispielsweise aus den Ninja Turtles Spielen kennt. Und natürlich darf in keinem anständigen, Retro-inspirierten Beat’em Up eine Fahrstuhl-Sequenz fehlen.

Visuell sticht vor allem die liebevoll entworfenen Pixeloptik mit ihren ausdrucksstarken, leicht flächiger Charakter-Sprites hervor. Obwohl weder hochgradig detailliert ausgearbeitet noch übermäßig animiert macht gerade deren Comic- beziehungsweise Anime-Look einen Großteil des Charms von Maiden Cops aus. Die Prügelleien fühlen sich energiegeladen und wuchtig an, und kleine In-Game-Szenen, in denen beispielsweise wild gestikuliert wird, verdeutlichen den humorvollen Ansatz des Spiels, das sich selbst nicht so ernst nimmt. Etwas schade ist es daher, dass teilweise die Hintergründe mit diesem Flair nicht ganz mithalten können. Zwar gibt es auch dort ab und an nette Details wie Gäste in einer Bar, die Karaoke singen, und Umgebungsanimationen, wovon vor alles die farbenfrohe Strand-Passage profitiert, über weite Strecken hinweg sind die Hintergründe jedoch etwas generisch und unspektakulär gehalten, was sicherlich auch etwas dem alltäglichen Szenario einer Stadt beziehungsweise Gebäuden wie Kneipe oder Bürokomplex geschuldet ist. Als großer Fan von authentischer Pixelart stört mich zudem, dass das Spiel wohl nicht in einer spezifischen Auflösung gehalten ist: Manche Element sind extrem blockig und grobschlächtig, an anderer Stelle merkt man Neigungswinkeln oder über den Bildschirm hüpfenden Strandbällen an, dass unter der Haube doch mit einem feineren Raster gearbeitet wird, als die Retro-Optik vermuten lässt. Leider setzt sich dieser optische Misch-Masch auch über das eigentliche Spielgeschehen hinweg: Dass die mitunter sehr offenherzigen Charakterprofile und freischaltbaren Bildergalerien, die auch als Ladebildschirm verwendung finden, hochauflösend sind und wenig mit dem Pixellook der steuerbaren Spielfiguren zu tun haben, ist noch zu vertreten, zumal diese trotz des Stilbruchs und ihres Doujin-Charakters noch halbwegs gut ausgearbeitet sind. Wirklich unansehnlich sind jedoch die in statischen Bildern gehaltenen Intro- und Zwischensequenzen sowie der freischaltbare Comic, die in ihrer kruden Gestaltung wie ein mit mäßigem Talent in MS-Paint umgesetztes Fanprojekt wirken. Keinen Anlass zur Kritik gibt dagegen die schmissige Musikuntermalung, die erstaunlicherweise nicht aus nostalgischen Chiptune-Klängen besteht, sondern sich bei realistischem Pop-Rock bedient. Vor allem die energiegeladene und treibende Musik im Hauptmenü ist eine hervorragende Einstimmung für die anstehende Keilerei. Ebenfalls lobenswert sind die optionalen Filtereinstellungen, die dem Geschehen die Anmutung eines Röhrenfernsehers verleihen sollen. Geschmackvolle Bildschirmwölbung und in ihrer Intensität einstellbare, kräftig leuchtende Bildpunkte lassen die Maiden Cops in intensiven Farben erstrahlen und gar nicht erst den Wunsch aufkommen, diese Darstellungsform zugunsten klar definierte digitaler Quadrate zu deaktivieren.
Interessante Wege beschreitet das Spiel auch in Sachen Ablauf und Wiederspielbarkeit. In zwei verschiedenen Spielarten lassen sich einmal abgeschlossene Passagen direkt anwählen und werden je nach Leistung mit Gold- Silber- oder Bronze-Medaillen bewertet. Die Arcadevariante ist noch recht klassisch gehalten: 5 Leben müssen ausreichen, um möglichst weit zu kommen und ausreichend Punkte zu sammeln, die in einer weltweiten Highscoreliste verglichen werden können. Der Storymodus hat zwar auch eine Beschränkung auf 3 Continues, jedoch lässt sich das Spiel auch nach deren Verbrauch noch fortsetzen, allerdings bleibt dann der Zählerstand unverändert. Die in Form von Dollar erspielten Punkte können außerdem zwischen einzelnen Anläufen in allerlei Goodies wie die erwähnen Bilder, Musikstücke, noch freizügigere Kostüme oder gar Cheat-Optionen investiert werden, so dass zumindest für ein gewisses Maß an Langzeitmotivation gesorgt ist.
Auch wenn Maiden Cops in vielerlei Hinsicht ein einfach gehaltener, weitestgehend durchschnittlicher Brawler ist, ist es doch zu nahezu jedem Zeitpunkt der überschaubaren Spielzeit unterhaltsam und steht für simplen, nostalgischen Spaß.
XBox Review: Knights of the round peg (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 14.07.2025
Das Galtonbrett ist nicht nur eine greifbare Repräsentation für das mathematische Konzept der Binomialverteilung, sondern mit einigen Billard-Varianten auch Vorbild für Glücksspielgeräte wie wie sehr frühe Flipper-Konstruktionen oder Pachinko-Automaten, bei denen Kugeln von zahlreichen Nägeln abprallen. Der Überraschungshit Peggle von PopCap aus dem Jahr 2007 und seine Nachfolger bauten ebenfalls auf diesem Prinzip auf und haben das sehr von glaubwürdiger Physik bestimmte Konzept erfolgreich als Videospiel umgesetzt.

Das kürzlich erschienene Knights of the round peg, dessen Xbox Version mir Publisher Oceanmedia freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kann man getrost mindestens als Hommage an diese Titel bezeichnen, beruht es doch auf exakt der gleichen Kernmechanik: In 80 linear aufeinander folgenden, bildschirmgroßen Level voller Blöcke und Zapfen müssen eine Reihe kleiner Kugeln nacheinander so von oben auf das Spielfeld abgefeuert werden, dass sie mindestens alle farblich hervorgehobenen Elemente durch Berührung entfernen.
Je nach gewähltem der beiden Schwierigkeitsgrade stehen einem für diese Aufgabe entweder eine feste oder unbegrenzte Anzahl an Geschossen zur Verfügung, doch selbst im normalen Modus stellt das erfolgreiche absolvieren eines Abschnitts keine allzu große Hürde dar und verlangt mindestens eben so viel Glück wie Geschick und Timing, womit sich Knights of the round peg von vorne herein klar als Casual-Game zu erkennen gibt. Spezielle Steine, die beispielsweise einen auftreffenden Ball in zwei aufteilen, Gimmicks wie Portale und stets unterschiedliche Level-Aufbauten mit teils beweglichen Hindernissen sorgen aber für anhaltende Abwechslung und Unterhaltung, zumal das simulierte Verhalten der Bälle nachvollziehbar daherkommt, sofern man davon ausgeht, dass die Projektile eher leicht und aus Gummi sind und es sich nicht um kleine Stahlkugeln handelt. Apropos Stahlkugel: Um nach dem -durch einen Pfeil bis zum ersten Aufschlagpunkt gut zu zielenden- Abschuss nicht komplett zum Zuschauen verdonnert zu sein, befinden sich am linken und rechten unteren Bildschirmrand kleine bewegliche Arme, mit denen sich das aktuelle Spielgerät vielleicht doch noch etwas länger auf der Fläche halten lässt und womöglich noch den einen oder anderen Stein trifft. Komponenten, die Bumpern und Spinnern ähneln, kennt man ebenfalls von klassischen Flipper-Tischen. Dennoch sollte man von Knights of the round peg bei weitem kein modernes Pinball-Gameplay erwarten. Vielmehr handelt es sich um eine kleine Maßnahme, um in den ansonsten sehr vom Zufall bestimmten Spielverlauf einzugreifen und erinnert somit wieder an die eingangs erwähnte Frühzeit der Tischballspiele. Eine ebenfalls willkommene Ergänzung ist das in verschiedene Sektoren aufgeteilte, langsam hin- und herdrehende Rad am unteren Bildschirmrand, das mit etwas Glück noch einmal Bonuspunkt, Multiplikatoren oder gar Extra-Sphären für Kugeln bereithält, die das Spielfeld verlassen.
Dieses simple und eingängige Spielprinzip verpackt Knights of the round peg in eine interessante, historisch angehauchte Präsentation. Zwar setzen auch Spiele wie Pentiment oder Inkulinati auf einen von mittelalterliche Handschriften und Kupferstichen inspirierten Grafikstil, dennoch ist diese Optik alles andere als gewöhnlich und sorgt ironischerweise für einen frischen, unverbrauchten Look: Musikalisch begleitet von einer Mischung aus mittelalterlichen Klängen und Folk-Liedern befindet sich im Hintergrund auf pergamentener Basis in der Regel ein dezentes, ebenfalls in beigem Pinselstrich gehaltenes Motiv, das zudem ein erstaunlich gutes Fundament für die Anordnung der Pegs darstellt. Hinzu kommen mitunter farbig gehaltene Figuren und Elemente, die ganz im Stile der bewegten Cut-Out-Einspieler von Monty Python´s Flying Circus mal belanglose, mal angenehm alberne Animationen ausführen, sobald sie getroffen oder anderweitig ausgelöst werden. So kicken Wächter eine Barriere vor- und zurück oder ein Burgfenster gibt verschiedene Motive frei. Zwar kann nicht jeder Level mit der anfänglichen Opulenz dieser Stilmittel mithalten, dennoch ist das Dargestellte ansehnlich und abwechslungsreich, was auch an einem für mich überraschenden Gesichtspunkt von Knights of the round peg liegt, schließlich hätte ich in einem levelbasierten Casualspiel überhaupt keine Story erwartet. Doch genau diese präsentiert das Spiel in Form der abenteuerlichen Reise von Sir Pegward, einem Ritter, der im Umgang mit dem Schwert und der Laute gleichermaßen bewandert ist. Die einzelne Stationen bilden nicht nur die jeweiligen, auf einer Landkarte angeordneten spielbaren Abschnitte, sondern werden darüber hinaus zu deren Beginn durch einem Limerick eingeleitet, der dann von unruhigen Meeresüberquerungen oder dem Betören einer holde Maid berichtet. Gemäß der Natur dieser Form von Gedicht sind die Formulierungen entsprechend humorvoll, setzen jedoch ausreichende Englischkenntnisse voraus, schließlich wäre eine Übersetzung in andere Sprachen unter Beibehalt von Versmaß, Reimschema und Inhalt wohl doch zu viel verlangt.

Tatsächlich etwas mehr Mühe hätte ich mir jedoch beim spielerischen Grundgerüst und der Bedienung von Knights of the round peg gewünscht. Zwar geht das Ausrichten und Abfeuern der Ballkanone relativ leicht von der Hand, mit A als einziger Aktionstaste (auch für die parallele Betätigung der Flipper) merkt man den Spiel jedoch schnell an, dass es wohl primär für mobile Geräte entwickelt wurde. Auf der Konsole unangenehm fällt dieses insbesondere bei der Navigation zwischen den einzelnen Spielpassagen auf, erfolgt diese doch mit einem großen, kreisrunden Cursor, der sich langsam bewegt und dessen Mitte dennoch recht präzise positioniert werden muss, um ein Menüpunkt oder Level auszuwählen. Dieses dürfte klar das Überbleibsel einer Auslegung für Touchscreen sein, für einer Steuerung per Controller empfinde ich aber das direkte Hervorheben und Wechseln von aktiven Punkten per Richtungstasten als die elegantere und effizientere Lösung.
Außerdem hätte ich mir noch eine stärkere Einbindung der Videospielaspekte erhofft, was dem Titel etwas mehr Tiefgang verleihen würde. So werden zwar in jedem Abschnitt Punkte erspielt, die aber fast schon verschämt und beiläufig auf der Levelkarte angezeigt werden und in Ermangelung einer Highscoreliste kaum Anreiz geben, sich erneut an einer Aufgabe zu versuchen. Mehr Abwechslung in den Zielanforderungen, beispielsweise das komplette Abräumen des Spielfelds, das erreichen einer Mindestpunktzahl oder den Abschluss innerhalb eines Zeitlimits sucht man ebenso vergeblich wie optionale Nebenmissionen, die sich angesichts der Heldenreise-Thematik angeboten hätten.
So bleibt Knights of the round peg ein entspannendes und gelungenes, wenn auch recht seichtes Gelegenheitsspiel, dass vor allem mit seiner außergewöhnlichen Präsentation punkten kann.
Knights of the round peg is a game
with it’s medieval presentation calling for fame
sure, it’s a clone,
but one well done
though the chill gameplay stays mainly the same
Arc de Triomphe de l’Étoile
geschrieben am 14.06.2025

XBox Review: Super Engine GT Turbo SPEC im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 25.05.2025
Ich würde mich nicht unbedingt als den größten Rennsportfan bezeichnen, und dennoch haben sich hier im Blog schon eine beachtliche Anzahl von Rennspiel-Tests angesammelt. Vielleicht auch deshalb hat mit Publisher East Asia Soft für die XBox einen Review-Code für den 3D Arcade-Racer Super Engine GT Turbo SPEC überlassen, was sich definitiv nach einer Aneinanderreihung von Begriffen und Abkürzungen anhört, die irgendetwas mit Motorsport zu tun haben. So generisch wie der Titel ist dann leider auch das Spiel, das vom Hauptmenü aus neben der Festlegung der Optik des eigenen sportlichen Kleinwagen aus einem Dutzend von sehr ähnlichen Designs lediglich die Wahl eines von 32 Einzelrennen auf nicht sonderlich langen Rundkursen ermöglicht, die der Reihe nach freigeschaltet werden, wenn man sich im vorherigen Wettstreit innerhalb von drei Runden mindestens auf den dritten Platz vorgekämpft hat. Damit ist dann leider der Inhalt von Super Engine GT Turbo SPEC bereits vollumfänglich beschrieben, zumal die vier Serien, auf die sich die Wettkämpfe aufteilen, mehr der reinen Organisation dienen und nicht etwa mit leistungsfähigeren Vehikeln oder gegen clevere Gegner bestritten werden. Es gibt keine alternativen Spielvarianten wie Zeitrennen oder Mehrspieler-Modi, keine freischaltbaren Fahrzeuge oder Lackierungen, kein Preisgeld, dass in Verbesserungen oder optische Anpassung investiert werden könnte, und selbst die Achivements, die mich in anderen Titeln zumindest gerne mal zu etwas kreativerem Spielverhalten motivieren, beschränken sich ausschließlich auf das Durchwandern der Pisten-Abfolge. Demnach muss ausschließlich die Spielbarkeit in den kurzen Rennen als Motivator herangezogen werden, die jedoch ebenfalls so ihre Tücken hat. So hören sich über 30 Strecken zunächst nach einem ordentlichen Umfang an, aber leider lassen diese jegliche individuellen Charakter vermissen. Das soll jetzt nicht heißen, dass sie schlecht oder gar unfair designt wären, jedoch wirken die Kurse mit sehr erkennbaren, wiederholt auftretenden Elementen wie Geraden, 90° Kurven und S-Schikanen halt recht beliebig und so, als seien sie aus Teilen einer Spielzeug-Rennbahn zusammengesetzt. Dazu passt auch, dass in unmittelbarer Nähe der Strecke zwar mit Bandenwerbungen, Leitplanken, Reifenstapel und anderer Staffage durchaus typische Renn-Atmosphäre erzeugen wird, es jenseits des Asphalts allerdings lediglich einige Bäume, Sträucher und Steine in der Farbgebung verschiedener Jahreszeiten sowie komplett menschenleere Tribünen zu betrachten gibt. Die bunte, flächige Grafik ergibt somit ein zwar stimmiges, aber wenig spektakuläres Bild, dessen triste Landschaft sich ebenso gut auf einem Spielteppich befinden könnte.

Interessanterweise setzt sich das unbeabsichtigte Spielzeug-Thema auch beim Fahrverhalten der Autos fort. Denn obwohl das Setting keinen Hinweis darauf gibt, dass es in einem Kinderzimmer angesiedelt sein könnte, steuern sich die Boliden selbst unter Berücksichtigung der zugänglichen Ausrichtung von Super Engine GT Turbo SPEC nicht wie renntaugliche Tourenwagen, sondern eher wie motorisierte Pappschachteln beziehungsweise ferngesteuerte Modelle, die kaum ein Gefühl von Gewicht vermitteln. Dementsprechend erreichen sie sehr schnell ihre nicht sonderlich hohe Spitzengeschwindigkeit und bremsen ebenso abrupt wieder ab, wenn man das Gas wegnimmt. Bei längeren Lenkmanöver sind zwar leichte Drifts möglich, grundsätzlich behält man aber stets die volle Kontrolle über das Fahrzeug, das weitestgehend spurgenau wie ein Brett auf der Straße liegt und zudem ein etwas merkwürdiges Kollisionsverhalten aufweist: Berührungen mit der Fahrbahnbegrenzung resultieren oftmals in totalem Stillstand, während Karambolagen unter den Mitstreitern die Vehikel bereits bei leichtem Kontakt ohne Anzeichen eines Schadens „aneinander kleben“ lässt. Das restliche Fahrerfeld ist dabei nicht mit sonderlich viel Intelligenz geschlagen und bestreitet kaum Positionskämpfe untereinander, sondern folgt in der Regel fast schon wie an der Perlenschnur aufgereiht in konstantem Tempo dem Straßenverlauf. Die durchaus vorhandene Herausforderung besteht daher weniger darin, sich in packenden Situationen mit dem fahrerischen Können der Computergegner zu messen, sondern sich mit geringem Geschwindigkeitsvorteil innerhalb von wenigen Runden vom letzten Platz eine Siegerposition zu erkämpfen. Das geschickte Schneiden von Kurven und überfahren der Randsteine ist dafür eine hilfreiche Taktik, zumal es innerhalb der recht eng eingezäunten Fahrbahn keine verschiedenen Untergrundeigenschaften gäbe, die sich auf das Fahrmodell auswirken würden. Die Standard-Kamera, die zugleich von einer erhöhten Position hinter dem eigenen Flitzer die „modernste“ Perspektive auf die Rennstrecke bietet, eignet sich in meinen Augen dabei am besten für die Aufgabe, da man Kurven frühzeitig erkennen kann. Nostalgiker, die mit „renn-ähnlichen“ Spielen wie Supersprint oder Micro Maschines aufgewachsen sind, können aber auch jederzeit zu einer rotierenden Top-Down- oder einer statischen, isometrischen Ansicht wechseln, doch diese Blickwinkel scheinen mir mangels Übersichtlichkeit dann doch nicht optimal für das Spielgeschehen geeignet zu sein.
Auch soundtechnisch bietet Super Engine GT Turbo SPEC fast schon erwartungsgemäß lediglich das nötigste. Die generische, poppige Musik ist derartig darauf ausgelegt, so allgemein und unspezifisch wie möglich zu klingen, dass ich sie wegen ihrer Banalität komplett abgestellt habe, da es keine Möglichkeit gab, die Lautstärke auf ein dezentes Hintergrundgedüdel herabzuregeln. Die verbleibende Spielakustik ist jedoch ebenfalls alles andere als mitreißend: Anscheinend erzeugt nur der Motor des eigene Fahrzeug ein Geräusch, das aber kein kraftvolles Röhren ist, sondern sich mehr nach dem Surren eines Stabmixers anhört. Selbst der eingesprochene Countdown beim Start kling extrem unbeteiligt und nüchtern, so dass das dreifache „go … go … go“ fast schon einem emotionalen Gefühlsausbruch nahekommt.

Müsste ich Super Engine GT Turbo SPEC in einem Wort beschreiben, wäre dieses wohl „unaufgeregt“. Technisch gibt es an dem Titel wenig auszusetzen, läuft er in der reduzierten Cartoon-Optik und überschaubarem Tempo doch selbst auf einer betagten Xbox One S erwartungsgemäß flüssig und lässt sich problemlos kontrollieren. Mit der farbenfrohen Aufmachung und simplen Steuerung richtet sich Super Engine GT Turbo SPEC sicherlich an ein jüngeres Publikum, doch selbst diesem dürfte es nach etwas mehr Spannung und Action verlangen. Die Grundanforderung eines einsteigerfreundlichen , simplen Funracers ohne jeglichen Simulationsanspruch erfüllt das Spiel somit, zeigt aber keine Ambitionen, sich in irgendeinem Bereich besonders hervorzutun oder sich durch individuelle Ansätze abzuheben. Angesichts des günstigen Preises und dem Sachverhalt, dass das Spiel von einem einzelnen Entwickler entwickelt wurde, sollte man vielleicht nicht allzu hohe Erwartungen haben, doch gibt meiner Meinung nach auch in diesem Segment genug weitaus bessere Spiele. Wer sich beispielsweise für eine etwas authentischere Steuerung begeistern kann, dürfte beim kaum teureren Super Woden GP II vom gleichen Publisher weitaus besser aufgehoben sein.
Nokia Art Jam 3: Bond Edition
geschrieben am 29.04.2025
Fast ist schon wieder ein Jahr um, und wäre ich nicht durch ein Video von Brandon James Greer darauf aufmerksam gemacht worden, hätte ich den Nokia Art Jam 3 sicherlich verpasst. Angesichts der knappen Zeit (und schwindendem Talent) reicht es diesmal nur für 2 Nokia 3410 Mockups, die sich lose dem Thema James Bond widmen:


XBox Review: Is This Game Trying to kill me? im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 24.04.2025
Zu Glanzzeiten der textbasierten oder Point’n’Click Abenteuer teilte sich die Fangemeinde üblicherweise in zwei Lager: auf der einen Seite bevorzugte man entspanntes Rätseln in einer Umgebung, die weitestgehend frei von Sackgassen und Toden waren, während andere kein Problem mit ausweglosen Situationen oder dem mannigfaltigen Ableben der Spielfigur hatten. Als zeitgenössische Variante des etwas aus der Mode geratenen klassischen Adventure-Metiers locken Escape-Room-Spiele mit überschaubaren Umgebungen und oftmals befreit von erzählerischen Strukturen, doch die Frage nach der grundsätzlichen Vorliebe bleibt bestehen.

Welche Philosophie Is This Game Trying to kill me? von Stately Snail, für dessen jüngst veröffentlichte Xbox-Version mir Publisher Sometimes You freundlicherweise einen Code bereitgestellt hat, vertritt, dürfte schnell zu erahnen sein, doch hinter dem Namen verbirgt sich zudem ein Verweis auf das Horror-inspirierte Setting des Titels. Denn in der rustikalen Waldhütte, in der man genretypisch ohne weitere Erläuterung in der Egoperspektive erwacht, finden sich nicht nur die üblichen kryptischen Apparaturen und verwinkelten Verstecke, die man von einem Escape-Room erwartet, sondern darüber hinaus noch einen von Pilzen überwucherten Computer, auf dem das irgendwo zwischen 8 und 16 Bit angesiedelte Actionadventure „Castle Serpentshtain“ läuft. Der mysteriöse Besitzer der Behausung in Gestalt einer mäßig furchteinflößende Mischung aus Candyman, Freddy Krüger und Pennywise macht schnell klar, dass für eine Flucht aus der ländlichen Umgebung das Beenden dieses Spiels unumgänglich ist. Der Kniff ist dabei, dass sich Handlungen im Computerspiel auf die Außenwelt auswirkt und umgekehrt. So öffnen entriegelte Truhen in Spiel ihr Gegenstück in der Hütte, und Codes, die für das Weiterkommen in der Rechner-Software benötigt werden, erscheinen auf den Wänden der unfreiwilligen Unterkunft. Auf dem Controller ist dazu gar ein eigener Knopf vorgesehen, um vom Bildschirm aufzublicken und sich im Zimmer auf der Suche nach Veränderungen umzusehen.

Was zunächst nach einer interessanten Ansatz klingt, läuft letztendlich jedoch in der Regel auf recht traditionelle Rätselkost mit verteilten Elementen hinaus, bei der man den nächsten Hinweis für ein Knobelaufgabe eben nicht auf einem Zettel im Bücherregal, sondern halt im „Spiel-im-Spiel“ entdeckt. Neben hauptsächlich gradlinigen, nicht sonderlich schweren Puzzeln glänzt Is This Game Trying to kill me? dann aber doch gelegentlich mit netten Ideen, wenn beispielsweise eine Spielmechanik außerhalb der erwarteten Möglichkeiten manipuliert werden muss oder das vermeintlich „reale“ Blockhaus videospieltypische Probleme aufweist. Der etwa vierstündige Fluchtversuch gestaltet sich dabei ziemlich linear: Im Computerspiel beschränkt sich die jeweilige Umgebung, deren Ausgang von einer verschlossenen Tür oder einer anderweitigen Blockade versperrt wird, auf ein bis maximal drei, vier Räume, die zusammen mit einigen sich nach und nach öffnenden Abschnitten des Waldrefugiums erkundet werden müssen und die mit ein wenig Hirnschmalz den Schlüssel zum weiteren Vorankommen bereithalten. Trotz kompaktem Grundriss ist dabei die Notwendigkeit, stets zum PC zurückzukehren, um das Retro-Abenteuer fortzusetzen, etwas nervig und vielleicht sogar ein Versuch, mehr Spielzeit aus dem Titel herauszuholen. Ein verhexter Handheld hätte hier vielleicht nicht nur mehr Komfort gebracht, sondern unter Umständen noch das eine oder andere clevere ortsbasierte Rätsel ermöglicht. Doch die Wechselwirkungen der Welten haben nicht nur positive Auswirkungen hinsichtlich des Entkommens aus dem Unterholz-Verschlag, sondern manifestieren sich dem Titel entsprechend auch beim Scheitern, so dass ein falsch gezogener Hebel zum Beispiel umgehend tödliche Stacheln aus dem Monitor schießen lässt. Wie bei den eingangs erwähnten klassischen Knobelspielen bin ich kein Freund dieser zusätzlichen Hindernisse, selbst wenn sie zumindest in den Denksportaufgaben wildem Herumprobieren entgegenwirken, zumal die Ablebeanimationen wenig Schauwert bieten und die Rücksetzpunkte für mich mitunter einen Hauch zu viel erneute Laufarbeit erfordern. Ist das unfreiwillige Dahinscheiden aufgrund falscher Rätselansätze noch durch überlebte Herangehensweise vermeidbar, gibt es andere Herausforderungen, die sich nicht ohne weiteres umgehen lassen. Selbst wenn der Action-Anteil im Actionadventure einen sehr geringen Stellenwert einnimmt, gibt es doch ein Paar eingestreute Passagen bis hin zu Boss-Kämpfen, in denen zumindest eine Kombination aus Geschick und Grips gefragt ist. Für mich wirken diese in einem Escape-Room Spiel eher deplatziert, vor allem da die Steuerung auf der XBox in beiden Spiel-Komponenten ein wenig zu wünschen lässt. Leidet das 3D Szenario fast schon genretypisch an einer sensiblen Kamera, die das exakte Anvisieren kleinerer Objekte erschweren, vermittelt das Computerspiel fast schon authentisches Amiga-Gefühl mit einer recht „losen“ Kontrolle über die Spielfigur, die zum Lösen der Geheimnisse absolut ausreicht, für zeitkritische Ausweichmanöver aber noch etwas knackiger und direkter hätte ausfallen können. Die pixelige Aufmachung des virtuellen 2D Titels wäre ebenfalls für Commodores Heimcoputer angemessen und findet sich ebenso in grob aufgelösten, blockigen Texturen in der räumlichen Umgebung wieder, deren grau-blau-grüne Farbgebung mich gar entfernt an den Grafikstil der Bitmap-Brothers erinnert und so einen zumindest interessanten Look erzeugt. Soundtechnisch erklingen über weite Strecken zwar stets die gleichen düstere Klaviertöne, die aber gut zur Stimmung passen und eigentlich nicht viel Abwechslung bedürfen, konnte doch z.B. auch das Halloween-Thema mit nur wenige Noten ausreichend Spannung aufbauen. Wirklicher Horror oder Grusel kommt jedoch in Is This Game Trying to kill me? trotz einiger Jumpscares nicht auf. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass sich das Spiel mit dem obskuren Antagonisten und der vagen Andeutung einer größeren Hintergrundstory gerne in der Meme-Ecke positionieren möchte. Daher konnte ich dem Titel trotz grundsolider Präsentation und eigentlich interessantem Setting weit wenige abgewinnen als beispielsweise dem ähnlich gelagerten, aber weitaus günstigeren Access Denied: Escape vom gleichen Entwickler, was teilweise auch an einzelnen, dann doch dubiosen Rätseln lag. Das dreistufige Hilfesystem war in gleich zwei Situationen praktisch nutzlos, zeigte doch selbst die finale Stufe lediglich Hinweise, die ich schon zur Kenntnis genommen hatte, aber deren Bedeutung sich mir nicht erschlossen oder es wurden Interaktionen erwartet, die noch nie zuvor im Spiel genutzt wurden. Auch die Aussicht auf drei verschiedene Enden bietet nur bedingten Anreiz, da sie nach dem Einsammeln von drei praktisch nicht zu übersehenden Collectables gegen Ende auf zwei Entscheidungen hinauslaufen, die das Spiel entweder beenden oder noch für eine kurze Zeit fortsetzten.
Is this game trying to kill me? ist somit ein nett präsentierter, aber nicht sonderlich spektakulärer Escape-Room Titel, der das Potential seiner Grundidee nicht vollends ausschöpft und mir mit seinen durchschnittlichen Rätseln und einigen Designentscheidungen leider weniger Freude als andere ähnlich gelagerte Spiele bereitet hat.
XBox Review: S. Prysm Destroyer im Test (XBox One / XBox Series)
geschrieben am 06.04.2025
Waren frühere Videospiele vorrangig den technischen Limitationen der zugrundeliegenden Hardware unterworfen, deren Generationenwechsel große, spürbare Veränderungen wie Erhöhung der darstellbaren Farben, größere Massenspeicher oder den Wechsel von 2D zu 3D mit sich brachten, dürften seit längerer Zeit die Grenzen der Präsentation vor allem durch Kreativität und Budget bestimmt sein. Dementsprechend gehören N64, Playstation1 und Saturn für mich zur letzten Reihe von Konsolen, deren Spiele sich durch einen klar erkennbaren Look auszeichnen. Auf diese nostalgische Darstellung setzt S. Prysm Destroyer vom amüsant benannten Entwicklerstudio Maids with Guns. Publisher East Asia Soft war so freundlich, mir einen Code für Xbox zur Verfügung zu stellen, darüber hinaus ist das Spiel auch für Nintendo Switch sowie Playstation 4 und 5 für knapp 7 Euro erhältlich. Während die Grafik mit starkem Dithering und grober Auflösung, die Details an den Modellen nur erahnen lässt, stark an Segas Saturn-Konsole erinnert, kann man für die Grundlagen der Spielmechanik noch ein-, zwei Systemsprünge weiter zurückgehen und 16- beziehungsweise 8-Bit Run and Guns wie Contra oder Cybernator heranziehen, die Plattform-Action mit wilden Ballereien verbinden. Die Hintergrundstory wäre sicherlich schnell erzählt, würde sich S. Prysm Destroyer die Mühe machen, das deutlich von japanischen Zeichentrickfilmen inspirierte Setting oder die Protagonisten namens Amor in irgendeiner Art einzuführen. Stattdessen wird man vom Hauptmenü recht unvermittelt als großäugige Pilotin eines Mech-Anzugs in die polygonale Spielwelt aus der Seitenansicht entlassen. Ein Zwischenbildschirm erklärt lediglich die simple, eingängige Steuerung des gradlinigen Actionspiels, die zumindest mit zwei Eigenheiten aufwarten kann: zum einen besteht die Möglichkeit, per rechter Schultertaste felsenfest an Ort und Stelle zu verweilen und sich so voll und ganz auf das Schießen in 8 Richtungen zu konzentrieren, zum anderen führt der A-Knopf nicht nur einen Sprung aus, sondern aktiviert für etwas zusätzliche Bewegungsfreiheit sich rasch entleerende Schubdüsen, die sich wieder aufladen, sobald man festen Boden unter den Füßen hat. Wirklich komplex sind diese Kontrollen nicht, und doch ergibt sich aus dem Wunsch, eigentlich permanent per X-Taste um sich zu Ballern, die Herausforderung, die linken Tasten des Controllers zeitgleich mit der oberen und unteren Hälfte des Daumens anzusteuern. Das ist sicherlich problemlos machbar, doch hatte ich in zeitgenössischen Genrevertretern auch alternative Bedienschemata kennengelernt, die mir etwas mehr zusagen und modernere Steuerungselemente wie die Trigger-Tasten und den rechten Analogstick nutzen.

Vor futuristischem Hintergrund muss sich das mechanisierte Manga-Mädel indes in kurzen, sehr einfach und gradlinig aufgebauten Abschnitten vielzähligen, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreichen Gefahren erwehren. Neben einer Reihe von stationär montierten Flammenwerfern, Elektrofallen und Geschützen, die ebenfalls in alle geraden und diagonalen Himmelsrichtungen feuern können, trifft man auch auf vier verschiedene Typen von beweglichen Widersachern in Form von Robotern, die Tieren nachempfunden sind. Auch ohne sonderlich intelligente Verhaltensmuster dieser Truppen stellen dabei vor allem die Raptoren mit ihrer seitlich angebrachten Kanone von Anfang an auch auf Distanz eine Bedrohung dar. Anders als in frühesten Plattformballereien bedeutet Feind- oder Projektil-Kontakt dank eines Energiebalken jedoch nicht das sofortige Ableben, was durch durchaus zu begrüßen ist, sind Treffer doch vor allem aufgrund der hartnäckigen, fest montierten Hindernisse, die etliche Salven vor ihrer Zerstörung einstecken können, oft nicht zu vermeiden. Eine Reduktion der Lebensleiste geht allerdings auch mit dem zurücksetzen eines Kombo-Multiplikators einher, der schnelle Abschüsse hintereinander belohnt. Die Jagd nach Höchstpunktzahlen scheint dann leider auch die primäre Zielsetzung von S. Prysm Destroyer zu sein. Denn wie gesagt gibt es weder eine Geschichte, die durch das Spiel erzählt wird, noch imposante Szenarien, die es im Rahmen einer spektakulären Heldinnen-Reise zu bewundern gäbe. Ganz im Gegenteil: Die sehr linearen Passagen bestehen praktisch ausschließlich aus tristem Boden, schmucklosen, in der Luft hängenden Plattformen und einfachen Metallgerüsten, die als undurchdringliche Barriere fungieren. Hatte ich angesichts dieser sehr schlichten Gestaltung zunächst an eine prozedurale Generierung gedacht, die sich mit jedem Ablauf ändert, entpuppte sich die abstrakte Architektur als fest vorgegebener Aufbau, der sich zudem bereits nach 4 Level wiederholt und dann von teils aggressiveren und farblich unterschiedlichen Variationen der bekannten Gegner bevölkert wird. Somit ist es letztlich auch konsequent, dass es keine Speicher- oder Rücksetzpunkte gibt. Ist die Lebensenergie einmal aufgebraucht, beginnt das Spiel nach Anzeige der Wertungsdaten komplett von vorne. Einziger abwechslungsschaffender Lichtblick ist das robuste Power-Up-System. Die sinnvollen Verbesserungen finden sich zufällig verteilt in Holzkisten oder werden in seltenen Fällen auf von besiegten Robotern fallen gelassen und reichen von Schutzschilden über eine ganze Reihe an offensive Zusatzfähigkeiten wie eine Begleitdrone, höhere Schussfrequenz oder dreifacher Spreizschuss bis hin zu lebenswichtigen Herzen, die die angeschlagene Gesundheit teilweise wieder herstellen. All diese Effekte halten zwar nur eine begrenzte Zeit an, kommen aber auch parallel zum Einsatz, wodurch die mechanische Rüstung kurzzeitig zur übermächtigen Todesmaschine mutiert, und durch die unvorhersehbare Verteilung fühlen sich die stets gleichen Abschnitte wenigstens ansatzweise frisch an. An bestimmten Stellen wird außerdem eine Sonderausrüstung aktiviert, die die Standardwaffe für eine Weile gegen bildschirmfüllende, flammende Schwerthiebe oder eine kraftvolle Plasmawolke austauscht. Dieser Effekt wird von einer sehr kurzen, einfachen Animation eingeleitet, die sicherlich entfernt an Magical Girl Transformationen im Stile von Sailor Moon erinnern soll und wohl die nahezu einzige Verwendung des zweiten Anreizpunktes von S. Prysm Destroyer ist. Denn für die Erfüllung gewisser Voraussetzungen wie das Erreichen eines Levels oder Kombozählers werden eine Handvoll Kostüme für Amor freigeschaltet, die aber keinerlei spielerische Relevanz haben und neben der vielleicht ein, zwei Sekunden andauernden Sequenz allenfalls im Titelbildschirm zu sehen sind.

Nicht nur in Sachen Charaktermodellierung und Auflösung orientiert sich S. Prysm Destroyer am Stand der Technik Mitte der Neunziger. Eigentlich relativ clever befinden sich einige Cockpit-Instrumente links und rechts vom eigentlichen Spielgeschehen, womit fast schon eine 4:3 Ansicht auf das Schlachtfeld erzeugt sind, dessen interessanter Wölbungseffekt sich auf Wunsch auch deaktivieren lässt. Sind die prominenten Anzeigen für Lebens- und Schubenergie noch nützliche Informationen auf dem Weg zum Levelende, erscheinen zwei weitere Elemente, die das Portrait der Protagonistin und ein Radar der Umgebung anzeigen, weitestgehend sinnfrei, lassen sich doch die endlos neu generierten Feinde problemlos auch in der direkten Spielumgebung ausmachen. Ob der Sound ebenfalls in Anlehnung an alte Hardware etwas dumpf klingt ist nicht ganz sicher, unstrittig ist jedoch, dass gröstenteils nur ein Musikstück ertönt, dessen leicht mystische Klänge, die mich entfernt an den Amiga-Plattformer Harlequin erinnern, für eine beinharte Actionballerei nicht unbedingt passend erscheinen. Wenig besser wird es bei Aktivierung einer Spezialwaffe: Zwar wechselt hier die akustische Untermalung, doch vor allem die nach schrammeligen Garagenrock klingenden Passagen der Elektrofähigkeit stellen keine wirkliche Verbesserung dar.
Trotz all dieser Kritik würde ich S. Prysm Destroyer als keinen totalen Reinfall bezeichnen, ist die Basis-Spielmechanik mit ihrer eingängigen Steuerung und befriedigenden Bonusaufwertungen der Primärbewaffnung doch grundsolide und durchaus spaßig. Vielmehr erweckt der Titel den Eindruck eines Prototypen, der noch auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal ist oder dessen Komponenten darauf warten, zu einem kompletten Spiel zusammengefügt zu werden. Die vorhandene Materie weist durchaus Potential auf, ist meiner Meinung nach aber zu wenig für ein vollständiges Run and Gun klassischer Machart. Das ist wirklich schade, hatte ich doch gerade in letzter Zeit meine Zuneigung zu simplen Shootern wiederentdeckt. In der jetzigen Form motiviert mich S. Prysm Destroyer jedoch nur wenig, längere Zeit mit dem Titel zu verbringen.


