Walt Disneys Zeichentrickfilm Steamboat Willie von 1928 ist nicht nur interessant, weil er als einer der ersten Auftritte von Mickey Maus und Minnie Maus gilt, sondern auch, da er damit Gegenstand zahlreicher Diskussionen und Streitigkeiten rund um das Copyright und Urheberrecht war. Während die Version des Disney-Maskottchens hierzulande ebenso wie in den meisten europäischen Ländern noch bis 2042 geschützt ist, ist sie in ihrer Heimat USA seit 2024 gemeinfrei, so dass seit den letzten Jahren aufgrund der etwas entspannten Lage Cartoon-Nager im 30er Jahre Look in Spielen wie Bad Cheese oder Mouse P.I. for hire etwas häufiger anzutreffen sind. Das kürzlich für XBOX veröffentlichte Spiel Steamboat Incident greift nicht (nur) den berühmten Charakter auf, sondern interpretiert die Thematik ganzheitlich als extrem kurze Gruselerfahrung.

Publisher Ratalaika hat mir einen Code für den Horrortitel zukommen lassen, wobei diese Einstufung nicht nur auf das Genre zutrifft. Denn die Schnitzeljagd nach acht verlorenen Buchseiten… äh Teilen eines Steuerrades auf einem einsamen Schaufelraddampfer, auf dem man permanent von einem Monster verfolgt wird, hat zahlreiche Probleme. Diese fangen bereits bei der Grafik an: Nun kann eine reduzierte Optik gerade im Indie-Bereich durchaus reizvoll sein und der Schwarz-Weiß-Look passt zur Thematik, doch gerade der anfängliche Startkorridor, den man als namenloser Protagonist betritt, ist dermaßen dunkel, dass man beispielsweise Türen nur anhand der plötzlich auftauchenden Eingabeaufforderung ausmachen kann. Andere Bereiche des kleinen, teilweise von einer schmierigen, schwarzen Substanz befallenen Schiffs sind zwar weniger düster, jedoch nicht weniger unansehnlich und zeugen ebenso von der Schlichtheit der Entwicklung wie die extrem nervöse und friemelige Steuerung. Das vermutlich übernommene Unity-Standardmodell für Steuerung aus der Egoperspektive mag auf dem PC mit Maus und Tastatur noch ausreichen, an der Konsole mit minimalen Einstellungsmöglichkeiten im Menü fällt dafür eine mangelnde Unterstützung oder „Magnetisierung“ umso mehr auf, wenn man versucht, unter Druck den Cursor zielgenau auf eine Punkt zur Interaktion auszurichten. Zum Glück gibt es davon nicht allzu viele in Steamboat Incident, denn neben den einsammelbaren Ruderfragmenten gibt es vielleicht drei oder vier Stellen im gesamten Spiel, die einem Puzzle oder Objekträtsel nahe kommen würden. Am häufigsten nutzt man daher die Umgebung in Form von Tischen, unter denen man sich vor einer Kreatur versteckt, die sich weitestgehend frei auf dem Boot bewegt und wie eine von Seepocken überwucherte, animatronische Version eines gewissen großohrigen Zeichentrickikone aussieht. Wobei „Verstecken“ wohl nicht der richtige Ausdruck ist, denn selbst wenn die disney-eske Abscheulichkeit in unmittelbarer Nähe ist, reicht es völlig aus, sich kurz unter das sehr offene Möbelstück zu kauern, um vor schnell tödlichen Angriffen sicher zu sein, so dass man davon ausgehen muss, dass das Ungetüm weder Knie zum Blick unter die Tischplatte noch ein Verständnis von Objektpermanenz hat. Dementsprechend lässt sich -ein entsprechender Unterschlupf in der Nähe vorausgesetzt- die Routine des Jägers, die lediglich zwischen Umherstreifen und zielgerichteter Verfolgung unterscheidet, schnell austricksen, ohne dass dabei auch nur ansatzweise Spaß wie bei einem Stealth-Spiel einstellt. Auf der anderen Seite ist der Grusel-Aspekt zumindest mittelmäßig erfolgreich umgesetzt. Vor allem die Soundkulisse mit knarzenden Schiffsdielen und Nebelhorn sorgt für eine angespannte Grundstimmung, während vor allem die Kombination aus manischem Gelächter und kränklichem Keuchen, die vom Monstrum ausgeht, evenso wie die staksigen Animationen eher unfreiwillig komisch wirkt und bestenfalls zusammen mit den Schrittgeräuschen bei der räumlichen Bestimmung der permanenten Bedrohung hilft. Des weiteren gibt es einige Jumpscares wie plötzliche Geistererscheinungen mit lautem Getöse, die vielleicht nicht sonderlich clever oder subtil, dafür jedoch zumindest kurzfristig effektiv sind. Da Steamboat Incident mit einer Zeit von etwa 15-20 Minuten für einen fehlerfreien Durchlauf jedoch über keinerlei Speicherpunkte verfügt, nutzen sich selbst diese Effekte schnell ab, wenn man das Spiel dann doch aufgrund einer verpatzten Flucht wieder komplett von Vorne beginnen muss, da sie stets an den gleichen Stellen auftauchen.
Unterm Strich gibt es praktisch keinen einzigen Grund, der für Steamboat Incident als Spielerfahrung spricht, zumal der Titel für seinen mäßigen Inhalt stolze 10 Euro verlangt. Es gibt zahllose bessere Spiele mit ähnlich gelagerter Ausrichtung und besserem Gameplay, und für einen billigen Schreckmoment sollte ein überraschendes BUUUUUUHHHH! ausreichend sein.











