Interview mit Drip, Tätowiererin aus New York

8bit-ninja: Könntest du dich bitte vorstellen?
Drip: Mein Name ist Drip. Ich bin eine in New York City ansässige Tattoo-Künstlerin, die sich auf Pixel Tätowierungen spezialisiert hat. Ich betreibe seit 2010 Pixel Art und tätowiere seit 2021.

8bit-ninja: Welche Kunstschaffenden, Spiele etc. würdest du als Inspiration ansehen?
Drip: Als ich damit anfing, Pixel Art zu machen, hat mich wirklich Paul Pobertsons Pixelkunst im Spiel Scott Pilgrim inspiriert. Ich bin ein großer Fan von m7kenji, hermippe und zahllosen anderen Pixel Künstlern und Künstlerinnen rund um die Welt. Bevor ich mit dem Tätowieren anfing, wurde ich stark durch 88world und youthless beeinflusst. Das waren die einzigen beiden zur damaligen Zeit, von denen ich wusste, dass sie Pixel-Tätowierungen machten. Es ist schwer, alle Tattoo-Artists aufzuzählen, die mich heute inspirieren, aber ich mag Simon Bans Tätowierungen sehr und hoffe, in Zukunft ebenso wie er größere Motive gestalten zu können.

8bit-ninja: Wie unterscheiden sich Pixel Art Tätowierungen sowohl von Pixel-Art für andere Medien als auch herkömmlichen Tattoo-Motiven?
Drip: Was die Tattoos angeht habe ich vor allem Langlebigkeit im Sinn. Wenn Tätowierungen altern, verteilt sich die Tinte unter der Haut und breitet sich aus. Ich versuche, möglichst viel Kontrast zwischen den Farben sowie freien Flächen zu haben, so dass ein Tattoo auch nach 5 Jahren seine Form behält. Ich lasse viele traditionelle Ideen für Tätowierungen in meine Pixel Art Designs einfließen: Schwarze Außenlinien, hoher Kontrast, Nutzung von kleinen, farbfreien Hautflächen. Außerdem halte ich die Pixel-Auflösung gerne recht klein. Normalerweise fange ich mit einem 50px x 50px großen Bild an. Wenn es um digitale oder Druck-Arbeiten geht, habe ich mehr Freiraum um mit höheren Auflösungen herumzuspielen. Ich kann dann interessantere Dithering-Muster einsetzen und mit einer breitere Farbpalette arbeiten. Ich versuche dennoch in beiden Fällen, die Anzahl der Farben einzuschränken, da es mir so möglich ist, mehr mit Texturen zu experimentieren.

8bit-ninja: Welche Werkzeuge und Software benutzt du?
Drip: Ich benutze für nahezu alles Aseprite. Designs und Vorlagen erstelle ich in diesem Programm und verwende Affinity Designer, um sie auszudrucken.

8bit-ninja: Gibt es so etwas wie den typischen Kunden für deine Arbeit? Welche Art von Kundschaft hast du?
Drip: Ja, die gibt es auf jeden Fall (lacht). Meine Klienten sind häufig Gamer oder sonstige Nerds. Ich tätowiere viele Leute, die der Gen Z bis Gen X angehören und somit jeweils mit  bestimmten Spielen wie Galaga, Pokemon oder Stardew Valley aufgewachsen sind.

8bit-ninja: Wie gehst du mit Kundschaft um, die nervös ist oder Angst vor den Schmerzen hat? 
Drip: Wenn es ihre erste Tätowierung ist, gehe ich üblicherweise mit ihnen erst einmal den Prozess durch: Ich erkläre ihnen alles von der Hautvorbereitung über den ersten Nadelstich bis hin zur Nachsorge. Ich stelle sicher, dass sie wissen, dass wir bei Bedarf jederzeit eine Pause machen können. Ich schätze mich recht freundlich ein. Es hilf auch, eine ruhige Umgebung zu haben, um die Nerven zu beruhigen. Außerdem nutzen Tätowierer Lidocain Spray, das eine leichte betäubende Wirkung hat, wenn der Schmerz zu heftig wird.

8bit-ninja: Gibt es ein Motiv, auf das du besonders stolz bist oder das sonst irgendwie hervorsticht?
Drip: Ich denke, das glitchige Abra, das ich 2024 gestochen habe, ist eine meiner Lieblingsarbeiten. Es hat sehr lange gedauert, doch ich bin mit der Farbpalette und dem Detailgrad, den ich einbringen konnte, sehr zufrieden.

8bit-ninja: Hast du eine interessante Anekdote hinsichtlich irgendwelcher Anfragen?
Drip
: Ja. Ich habe mal eine DM von einem Kerl bekommen, der einen riesigen Pixel-Penis auf seinen Oberschenkel tätowiert haben wollte. Ich habe nur „Was?“ geantwortet und seitdem nichts mehr von ihm gehört (lol)

8bit-ninja: Gibt es sonst noch etwas, das du erwähnen möchtest?
Drip: Ich würde eines Tags gerne nach Deutschland kommen zu zu tätowieren. Das wäre sicherlich ein sehr spaßiges Abenteuer.

8bit-ninja: Vielen dank für das Gespräch.

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